12. August 2014

Tag 209 - Regimegigantomanie

01.03.2014


Nyaungshwe - Nay Piy Taw


Wir verlassen den schönen Inle Lake auf dem gleichen Weg den wir gekommen sind. Heute sorgt die kurvenreiche Strasse durch die Shan Yoma Berge bei vielen Tourteilnehmern aber eher für Missmut. Denn der gestrige Abend mit Mojito, Bier und Musik am Lagerfeuer war etwas länger als geplant. Ohne schwere Zwischenfälle schaffen es alle Fahrer und Beifahrer die Serpentinen hinter sich zu lassen. Nun befinden wir uns auf einer schönen geraden Fahrbahn die uns direkt nach Nay Pyi Taw führt. 



Seit März 2006 ist diese Stadt, deren Name übersetzt "Heimstatt der Könige" bedeutet, neue Hauptstadt und Regierungssitz des Landes. Es handelt sich nicht, wie man nun denken könnte, um einen historisch bedeutenden Ort. Nein, vielmehr offenbart sich inmitten der Steppe eine Retortenstadt unheimlichen Ausmasses, deren Bau 2002 begonnen hat und deren Fertigstellung offensichtlich noch immer auf sich warten lässt. Was die Regierung zum Umzug veranlasste ist bis heute in Einzelheiten nicht geklärt, Spekulationen gibt es natürlich viele.
Wir können jedenfalls kaum glauben was wir hier zu Gesicht bekommen. Die kleine ländliche Strasse verwandelt sich ohne Vorwarnung in einen monströsen, mindestens 3-spurigen Highway. Hier und da fährt ein PKW oder ein Moped, aber von Großstadtverkehr keine Spur. Laut offiziellen Angaben sollen hier über eine Million Menschen wohnen. Wir fragen uns schon ein bisschen wo die wohl alle gerade sind. Riesige, zum Teil sehr seltsam verzierte, Kreisverkehre durchbrechen regelmäßig die Geradlinigkeit der landebahnähnlichen Fahrbahn. Neben der Autobahn sehen wir lange Zeit nur ein paar Büsche und Feldwege. Dann taucht in der Ferne eine ebenfalls monströse goldene Pagodenspitze auf. Das Militärregime hat doch tatsächlich die heilige Shwedagon-Pagode in Yangon nachbauen lassen. 2009 wurde das Bauwerk fertig gestellt und trägt nun den Namen Uppatasanti ("Schutz gegen Unheil") Pagode. Wir sind verwirrt während wir an Neubau-Wohnzonen vorüberfahren. 






Zugegeben, wir sind nicht in die Regierungszone, die fertiggestellten Wohnzonen oder die Naherholungszone vorgedrungen, aber was wir bisher gesehen haben hat uns schon gereicht. Die internationale Zone beispielsweise bietet vier Hektar Land für Botschaften und UN-Gesandte. Aber lediglich die Vertretung Bangladeschs ist von Yangon, der alten Hauptstadt, übergesiedelt. Alle anderen ziehen es vor zu bleiben wo sie sind. Und das vermutlich nicht ohne guten Grund.
In der Hotelzone der Stadt angekommen warten bereits die Angestellten des noblen "Sky Palace" Hotels auf dem Parkplatz mit einem Willkommensgetränk. Wir werden höflich über die Nutzung der sanitären Anlagen informiert und auf das Abendbuffet mit Live-Musik-Untermahlung im schicken Flugzeugcafé aufmerksam gemacht.




Die meisten Mitreisenden sind genau so verwirrt wie Max und ich. Eine so absonderliche Atmosphäre hatten wir auf der ganzen Reise noch nicht und diese unwirkliche Regime-Gigantomanie ist ehrlich beängstigend.




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