8. August 2014

Tag 203 + 204 - Auf Umwegen nach Mandalay

23.02. - 24.02.2014


Alaungdaw Kathapa National Park - Monywa - Mandalay


Auf Regierungsanordnung hin müssen wir unseren idyllischen Platz um 6.oo Uhr morgens räumen. Die Polizeibeamten schleichen kurz vor der Abfahrt nervös um uns herum und prüfen die Gruppe auf Vollständigkeit. Wie immer werden die Fahrzeuge und dazugehörigen Personen fotografisch festgehalten. 
Nun verlassen wir die schöne Berglandschaft des Nationalparks und ein Sonnenaufgang vom Feinsten versüsst uns die Abschlepp-Konvoi-Fahrt. 
Das ist eine schöne Belohnung fürs frühe Aufstehen!




Am Fuß der Berge erstreckt sich eine weite, karge, kaum bewachsene Ebene. Je näher wir den beiden großen Flüssen Chindwin und Irrawaddy kommen, desto mehr landwirtschaftlich genutzte Felder und Bäume begrünen die Umgebung wieder.



Nach fünf Stunden schleppender Fahrt passieren wir die Stadtgrenze von Monywa und wissen nicht so recht wohin. Niemand kennt unseren offiziellen Treffpunkt. Klar ist jedoch, dass wir den Chindwin-Strom überqueren müssen und hierfür eignen sich Brücken meist am besten. Wir folgen dem vorausfahrenden Landcruiser der Franzosen, in dem unser einheimischer Guide untergebracht ist. Wie sich kurze Zeit später herausstellt ist dieser keine große Hilfe. Denn wir enden auf einer Nebenstrasse, zwar am Fluss, aber vor einer kleinen Personen- und Mopedfähre. Die folgende halbe Stunde sorgt das langwierige Wendemanöver des 16 Meter langen KAT-Cruiser-Duos für Aufsehen auf der blockierten Hauptstrasse des Stadtteiles. Yannicks Söhne befinden sich beide mit Kissen bewaffnet auf dem Dach des Fahrzeuges um wenigstens die Stromversorgung der Gemeinde zu schützen. Jetzt ist auch den Burmesen das Lachen und Winken vergangen. Max und ich sind ganz froh als die Aktion endlich vorüber ist und wir uns aus dem Staub machen können.





Allerdings lotst uns der Guide erneut in die falsche Richtung. Langsam wird es allen zu bunt und wir halten am Straßenrand um die Route zu besprechen. Es stellt sich heraus, dass Karten lesen nicht zu den Talenten des Herrn gehört. Auf der gesamten Asientour ist uns schon öfter aufgefallen, dass die Mehrzahl der Einwohner Kartenmaterial zwar sehr spannend und interessant findet, von der Nutzung desselben aber nicht viel versteht.  
Wir machen also unseren eigenen Plan und fahren weiter. Wenige Minuten später taucht ein weißer Regierungs-PKW mit vier Insassen auf, und diese verdeutlichen uns unmissverständlich ihnen zu folgen. Nach etwa eineinhalb Stunden Verzögerung erreichen wir eine ordentliche Brücke und kurz darauf den Hotelparkplatz, der den Anderen letzte Nacht als Nachtlager diente.



Den kurzen Zwischenstopp nutzen wir für eine Dusche und ein kurzes Mittagessen. Für die Sehenswürdigkeiten der Umgebung bleibt leider keine Zeit, denn wir müssen schnell weiter nach Mandalay. In der zweitgrößten Stadt Myanmars, der alten Hauptstadt des birmanischen Königreichs, darf die große Gruppe nur im Konvoi fahren. Um 16.oo Uhr treffen wir uns an einer Brücke vor dem Stadtzentrum. Für die 130 Kilometer dort hin bleiben uns zwei Stunden. Eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 65 km/h ist ambitioniert auf Myanmars Strassen, vor allem weil diverse Mautstellen Maxs guten Schnitt ruinieren und natürlich viele Mopeds, Fahrräder und Fußgänger unterwegs sind. Mit fünf Minuten Verspätung treffen wir an der besagten Brücke auf die meisten anderen Tourteilnehmer. Obwohl wir nicht vollzählig sind setzt sich der Konvoi in Bewegung. Wir sind die Letzten im Tross und nachdem wir die Brückenmaut entrichtet haben sind die Vorausfahrenden bereits außer Sichtweite. Das hat ja gut geklappt. Über die mäßige Organisation dieser Gruppenreise haben wir uns in den vergangenen Tagen nun schon des Öfteren gewundert.
In einem Kreisverkehr stoßen wir zu Julian & Alli aus Australien, Tom, Bettina & Eliah aus Neu-Ulm, Demet & Umut aus der Türkei und den konvoierfahrenen "Milk Road"-Franzosen Emanuelle & Colette. Die Koordinaten des Fußballfeldes in der Stadt, welches wir für zwei Nächte beziehen sollen, wurden nicht veröffentlicht. Planlos fahren wir Richtung Innenstadt. Auf dem Weg sammeln wir Ben, den verlorenen Motorradfahrer, ein. Die gut organisierte Überwachung hierzulande funktioniert auch jetzt. Ein Beamter der Touristenpolizei Mandalys greift uns auf. Er informiert sich kurz per Funk über das vorgegebene Ziel und eskortiert uns mit seinem Dienstwagen dort hin. Wir richten uns ein und bekommen Besuch von neugierigen Anwohnern. 




Einige wollen nur Fotos und Videoaufnahmen, andere suchen das Gespräch mit uns. Viele Touristen sind für die Einwohner Myanmars nicht in "freier Wildbahn" greifbar. Das Interesse der Bevölkerung Neues über die Welt aus unbelasteten Quellen zu erfahren ist groß, denn durch das Militärregime der vergangenen Jahrzehnte war Myanmar völlig isoliert. Seitdem der Demokratisierungsprozess 2011 in Gang gesetzt ist öffnet sich das Land mehr und mehr für Ausländer und den damit einhergehenden, lukrativen Tourismus. 
In diesem Sinne steht der nächste Tag zur freien Verfügung. Es gibt viel zu sehen im kulturellen Zentrum des Landes. Die kostenintensiven Touristen-Hot Spots stehen nicht auf unserer Liste. Auch der Königspalast, der mit Hilfe von Zwangsarbeitern nach der Zerstörung im zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut wurde, ist kein angenehmes Ausflugsziel. Am Straßenrand mieten wir uns ein Local-Taxi und kurven zusammengepfercht auf der überdachten Ladefläche des Pick-Up durch die umtriebige Stadt. Der Anblick sorgt für Gelächter und Staunen bei den Einheimischen. Denn die meisten Touristen mieten sich klimatisierte Privat-Taxis für ihre Rundfahrten. 


Andrea (Italien), Alina, Amanda (Mallorca), Max, Julian & Heike (Deutschland)
nicht zu sehen aber mit dabei: Kim (Kanada) & Vaughn (England)


Ein bisschen Kultur muss sein. So besuchen wir den goldenen Buddha, ein bedeutendes Pilgerziel burmesischer Buddhisten, in der Mahamuni Pagode im Südwesten der Stadt.  Seit Ewigkeiten werden kleine Blattgoldstücke auf die heilige Figur geklebt und der Buddha sieht mittlerweile schon sehr unförmig aus. Frauen können den Buddha leider nur aus der Ferne oder über einen Flachbildfernseher sehen, denn ganz in die Nähe dürfen mal wieder nur die männlichen Gläubigen.





Auf der weiteren Rundfahrt passieren wir dutzende Handwerksbetriebe in denen Blattgold und Klosterschmuck auf traditionelle Art und Weise hergestellt wird.



Jetzt sind wir hungrig und dieser unangenehme Zustand soll auf einem der Märkte Mandalays behoben werden. Erst stehen wir geraume Zeit im Stau, dann verlieren wir uns die nächsten ein bis zwei Stunden in den engen Gassen und Strassen des Marktes und testen Köstlichkeiten und Ungewöhnliches.







Eigentlich wollten wir zum Sonnenuntergang auf den Mandalay Hill aber wir haben auf dem spannenden Markt zu viel Zeit vertrödelt. Der Taxifahrer bringt uns wieder nach Hause und wir lassen den Abend in einer biergartenähnlichen Bar feucht-fröhlich mit burmesischen Zigarren ausklingen.

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