6. August 2014

Tag 202 - Rallyeetappe mit Hindernissen

22.02.2014


Kalemyo - Alaungdaw Kathapa National Park


Laut Tafel liegt heute der längste und härteste Abschnitt der Landesdurchquerung vor uns. Der Wecker klingelt um 6.oo Uhr! Es ist noch dunkel! Die ersten langsameren Fahrzeuge machen sich bereits auf den Weg. Gegen 7.oo Uhr ist das Cruiser-Trio auch auf der Strasse. Zunächst wird aber noch schön voll getankt. Die Jungs von der Tankstelle schenken uns zwei Flaschen Wasser für die Reise und dann gehts los. Meist fahren wir auf einer Schotterpiste, die ab und zu mittig mit einem schmalen Asphaltstreifen ausgestattet ist. Es kommt uns vor, als würden wir permanent durch einen Nationalpark fahren. In der weiten Ebene taucht die Morgensonne alles in ein wunderbares Licht und flaue Nebelschwaden hängen dicht über dem Boden. 





In kleinen Siedlungen machen sich Einheimische für den Tag bereit und sind weiterhin so freundlich zugewandt wie wir es die letzten beiden Tage erlebt haben. Nach einigen Kilometern sehen wir unsere belgischen Motorradfahrer mit einem Platten am Straßenrand stehen. Leider können wir nicht viel helfen und cruisen weiter. Allerdings ohne Jens und Helen. Irgendwie vergessen wir die beiden müsliessend bei den Belgiern. Nun verlassen wir die Ebene und befinden uns in einer eindrucksvollen Hügellandschaft.




Nahe dem Städtchen Gangaw wird die Strasse in Stand gesetzt. Wie in Nepal und Indien übernehmen auch hier größtenteils Frauen die körperlich anstrengende, harte Arbeit  auf dem Bau und die Männer beaufsichtigen das Geschehen. Auf einer sehr interessanten Umleitung treffen wir erneut weitere Tourteilnehmer und können sie überholen, denn wir haben genau den richtigen fahrbaren Untersatz für solches Terrain.




In Gangaw geraten wir zunächst ziemlich auf Abwege. Einmal falsch abgebogen und schon ist es passiert. Wir Durchqueren einen Fluß und enden auf einem immer schmaler werdenden holprigen Feldweg. Die Ansage war, dass es eine lange und harte Etappe wird, aber das geht doch ein wenig zu weit. Wir entscheiden umzudrehen und uns nach dem rechten Weg zu erkundigen, denn die Himmelsrichtung stimmt keineswegs mit unserem Ziel überein. Navigationsgerät und Kartenmaterial verlassen uns ebenfalls auf solchen Wegen. Viele hilfsbereite Bürger weisen uns den Weg nach Monywa, unserem heutigen Ziel. Im Stadtzentrum treffen wir auf etliche Tourmitglieder, die in unterschiedlichste Richtungen unterwegs sind und wenden. Die Einwohner Gangaws bekommen heute eine spektakuläre Show präsentiert. Aufgrund der Höhe mancher Fahrzeuge müssen sogar einige Stromleitungen dran glauben. Nach einer Stunde Irrfahrt sind wir wieder auf dem richtigen Pfad und müssen uns erst um "tamang" kümmern bevor die Rallye weitergeht. Für 1000 Kyat / Person, umgerechnet etwa 70 Cent, werden wir in einem Straßenrestaurant mit dem Reis-Fleisch-Gemüse-Knabber-Buffet herzlichst versorgt.
Weniger als die Hälfte der Strecke liegt um 13.oo Uhr hinter uns. Ob wir Monywa bei Tageslicht erreichen ist äußerst fraglich. Vor allem weil die Hügel nun zu ausgewachsenen Bergen werden und Michaels Kupplungsproblem auf der Passstrasse kritische Ausmaße annimmt. Der Landcruiser qualmt und stinkt wie verrückt. Wir halten an um das Fahrzeug abkühlen zu lassen und suchen unseren Feuerlöscher, nur für den Ernstfall. Ein burmesisches Paar ist mit dem Moped ebenfalls hier liegen geblieben und wir können mit Werkzeug behilflich sein. 




Um die Kupplung zu schonen fahren Michael und Gisela in der Untersetzung weiter. So erklimmen wir langsam den Pass ohne Qualm, Gestank oder Feuer. An der nächsten Baustelle mit Straßensperre hindert uns ein Stau auf der Umleitungsstrecke an der Weiterfahrt. Fast alle Tourmitglieder sind hier binnen der nächsten 30 Minuten kreuz und quer versammelt.




Augenzeugen berichten, dass zwei unüberwindbare Hindernisse die schmale Umgehung blockieren. Ein LKW ohne Sprit und ein Tieflader, der sich in einer Kurve festgefahren hat. Die Regierungstruppe ist natürlich auch vor Ort und muss jetzt eine Lösung für dieses Problem finden, denn abends müssen wir alle in Monywa sein. Sonst gibt es Ärger von oben. Nach längerer Diskussion ist klar, dass wir die gesperrte Neubaustrecke nehmen sollen. Für Allradfahrzeuge und solche mit Heckantrieb ist das kein Problem.


Aber die beiden französischen Wohnmobile, von denen wir ohnehin überrascht sind dass sie so weit gekommen sind, stehen den neu verlegten spitzen Steinen chancenlos gegenüber. Die Steine fliegen durch die Luft, die Reifen drehen durch, aber die Camper bewegen sich keinen Millimeter vorwärts. Alle Trucks, die in der Lage wären die Wohnmobile kurz abzuschleppen sind leider schon weg. Also muss ein anderer Weg gefunden werden. Zusammen mit den Arbeiterinnen zerstören wir deren Tageswerk wieder und bauen eine Fahrbahn für die Franzosen. So können auch sie die Hürde passieren. Nach einer dreiviertel Stunde sind alle Rallyeteilnehmer wieder am Start.



Einige Kilometer weiter wartet schon das nächste Hindernis. Ein Bagger steht auf der Strecke. Zum Glück hat der den frischen Erdrutsch aber schon weitestgehend beseitigt und wir stehen hier nur kurz herum.


Unweit von der Erdrutschstelle biegen wir um eine Kurve und erblicken Michael und Gisela vor uns. Allerdings steht deren Auto am Straßenrand und die Kupplung hat endgültig das Zeitliche gesegnet. Fahren ist nicht mehr. Mit unserem Bergegurt schleppen wir die beiden ab.


Leider haben wir nicht mehr viel Diesel im Tank und jedes Mal wenn sich der Gurt spannt geht ein Ruck durch unser Auto und es hört sich an als würde es auseinander reissen. Monywa ist noch mindestens 90 Meilen entfernt und es wird demnächst dunkel. Wir zuckeln mit 20 km/h dahin und schauen der Tanknadel zu wie sie sich gegen "E" bewegt. Emanuelle und Colette aus Frankreich verfolgen unser Gespann in ihrem blauen "Milk Road" Landcruiser um notfalls auch mal abzuschleppen.
Zum Glück treffen wir Familie Colinet. Für deren Gefährt ist Abschleppen ein Kinderspiel. Mit einer riesigen Stange wird der Landcruiser hinten am KAT befestigt und es kann weiter gehen.


Da wir nun die letzten der Gruppe sind richten die Regierungsbeamten natürlich besonderes Augenmerk auf uns. Sie verlangen, dass wir in der Dunkelheit  bis Monywa fahren. Yannick Colinet weigert sich, da die Scheinwerfer seines LKW nichts taugen. Wir anderen weigern uns das Apschleppgespann zurückzulassen und nach längerem Hin und Her dürfen wir vor einer kleinen Schule inmitten der prächtigen Natur des Alaungdaw Kathapa Nationalparks unser Nachtlager aufschlagen. Glück im Unglück!



Wir sitzen noch ein paar Stunden zusammen und essen. Unser burmesischer Guide, der die Nacht auch hier verbringen muss stellt uns die Lehrerin der Schule vor und bittet um eine Spende für die 90 Schützlinge, die sie hier unterrichtet. Wir spenden ein wenig und hoffen, dass die junge Frau das Geld auch behalten und für einen guten Zweck nutzen darf. Nachts werden wir von zwei Mopedpolizisten observiert, die extra aus der nächsten Stadt angereist sind. Ja. Wirklich frei ist man als Tourist in Myanmar nicht.
Nach einer fantastischen Rallye-Etappe mit Hindernissen gehen wir hochzufrieden schlafen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen