5. August 2014

Tag 201 - Geburtstag auf burmesisch

21.02.2014


Tamu - Kalemyo


Nach der langen Feier gestern wollten wir eigentlich  ausschlafen und gemütlich frühstücken. Daraus wird aber nichts, denn jetzt sind wir Teil einer staatlich kontrollierten Gruppenreise. 
Diese ist folgendermaßen organisiert: am Abend des Vortages informiert uns unser deutscher Reiseführer Jörn mittels einer Tafel vor seinem gelben LKW über die bevorstehende Etappe. Es ist vermerkt welche Route wir wählen müssen. Zusätzlich ist der Zustand der Strasse beschrieben. Außerdem steht da natürlich wie viele Kilometer zu fahren sind. Des Weiteren können der Tafel die Koordinaten des Zieles entnommen werden an welchem alle Gruppenteilnehmer abends wieder zusammentreffen müssen. Eine Konvoifahrt ist nicht nötig, wird aber bei Missachtung der Regeln als Strafe angeordnet. Gesondert aufgeführt werden eventuell entstehende Zusatzkosten am Zielort oder Besonderheiten der Unterkunft, wie z.B. no shower / no toilet. 

zum Beispiel
Für Recht und Ordnung sorgen mindestens vier burmesische Regierungsgesandte und ein Touristenführer des organisierenden Reiseveranstalters, die uns rund um die Uhr be- und überwachen. Vermutlich sind sowohl dieser regierungsbetriebene Aufwand  als auch zahlreiche erforderliche Sondergenehmigungen für den hohen Reisepreis von 2000 Euro verantwortlich. Wir wissen es nicht und werden es wahrscheinlich auch nie erfahren, denn eine Rechnung haben wir für die bar bezahlte Tour nicht erhalten. 
Wie auch immer. Um 9.oo Uhr müssen wir nach einem Sturzkaffee das Fußballfeld in Tamu verlassen und fahren im Landcruiser-Dreierpack mit Jens, Helen, Michael und Gisela auf einem hervorragend asphaltierten Sträßchen nach Süden. Wir schlängeln uns durch wunderbare Natur. Nahe des Weges siedeln Bauernfamilien, in regelmäßigen Abständen glänzen goldene buddhistische Pagoden auf und in der Ferne blicken wir auf die Bergkette des Arakan-Yoma-Grenzgebirges zu Indien. 






Tourismus ist hier noch ein Fremdwort. Umso erstaunlicher sind die Reaktionen der Einheimischen auf uns und unsere Gefährte. Es wird gelacht und gewunken, egal wo wir auftauchen. Keine Spur von Misstrauen oder Zweifel. Die Menschen scheinen ehrlich glücklich zu sein uns Westler hier zu sehen. Wir lachen und winken zurück und fühlen uns sehr willkommen. 
Alle paar Kilometer halten wir an und die Herren wechseln das Fahrzeug für eine Testfahrt mit einem anderen Model. Nach der Fahrt mit Michael und Giselas "Toyo" meint Max, dass die Kupplung wohl demnächst den Geist aufgibt. Am Straßenrand wird ein bisschen geschraubt und Gisela beschließt solange schon mal ein Stück zu Fuß zu gehen. Max, der noch eine Probefahrt mit dem "Toyo" machen muss soll sie wieder einsammeln. Wir fahren also weiter. Max vorne weg. Immer schön auf der linken Seite der Fahrbahn. Er hat sich offensichtlich sehr an den Linksverkehr der letzten Monate gewöhnt. Zum Glück ist kaum Verkehr und irgendwann merkt er es auch. Michael und ich amüsieren uns köstlich. Vor allem als Max ohne mit der Wimper zu zucken an Gisela vorbeifährt, die am Straßenrand mit einem Strauß Blümchen läuft. Wir sind gnädig und nehmen sie mit. Vollzählig geht die Reise weiter.  


Die Kupplung hält durch und wir erreichen in der Mittagshitze den Hotelparkplatz in Kalemyo. Wir Damen erklären uns bereit, im Ort die notwendigen Geldgeschäfte zu erledigen. Denn für unsere täglichen Bedürfnisse brauchen wir Kyats, die Landeswährung. Im Ortskern gibt es eine Bank, die die brandneuen, ungefalteten Dollarnoten wechseln soll, die wir uns in Indien so hart erkämpft haben. Helen und ich nehmen das Angebot von Ben, einem britischen Motorradfahrer, gerne an bei ihm mitzufahren, denn es ist definitiv zu heiß um zu laufen. Auf seiner original indischen Royal Enfield düsen wir zu dritt in die Stadt. Äußerst komfortabel! Mit uns auf Wechselkurs sind zwei weitere Motorradpärchen. Kevin und Kitty aus Belgien und eine schweizerisch-italienische Kombo. 
Die Bankangestellten fallen fast vom Glauben ab als wir alle die Filiale betreten. Wieder wird gelacht und gewunken und wir kommen sofort an die Reihe. Leider stellt sich heraus, dass meine brandneuen, fälschungssicheren Dollars zu neu sind und nicht gewechselt werden können, da das passende Lesegerät nicht verfügbar ist. Ich beschließe es in einer anderen Bank zu versuchen. Während ich draußen auf die anderen warte werde ich vom Filialleiter wieder zurückbestellt. Er habe mit dem Hauptquartier telefoniert und die Erlaubnis bekommen meine Dollars ohne Gerät zu wechseln. Ich freue mich und bedanke mich vielmals. 
Zurück am Hotel sind wir alle vom Hunger geplagt. Das erste burmesische Essen wartet auf uns! Einige hundert Meter stadteinwärts gibt es etliche kleine Straßenküchen mit Ministühlen und Minitischen aus Holz und Plastik. Alles ist sehr sauber und erweckt einen ungefährlichen Eindruck. Unsere Sechsergruppe nimmt in einem der Restaurants Platz und dann bekommen wir serviert was die Küche hergibt. Jeder bekommt einen großen Teller Reis und in der Mitte der zwei kleinen Tische werden mindestens zehn Schalen mit diversem Fleisch, uns unbekanntem Gemüse und undefinierbaren Knabbereien platziert. Zwei große Schalen mit einer unglaublich stinkenden Suppe sind auch dabei. Das Essen ist extrem ölig  schmeckt aber ausgesprochen gut bis auf die Stinkesuppe. Wir werden so herzlich bedient und bekommen obendrein noch einen Sprachkurs. Diese Art von Essen, oder Essen im Allgemeinen wird "tamang" genannt. Dieses Wort wird uns auf der Weiterreise vermutlich noch sehr hilfreich sein. Zum Nachtisch bekommen wir von einem Straßenverkäufer noch sauer eingelegte kirschenähnliche Früchte mit Salz und Chilli geschenkt. Unglaublich!
Auf dem Rückweg kaufen wir an mehreren kleinen Buden noch landestypische Snacks und Getränke ein. Im Biershop ist gerade der Vorrat zur Neige gegangen und der nette junge Herr hinterm Tresen meint einfach: "No problem, I bring to you later." So werden uns die Getränke mit dem Motorroller, ohne Aufpreis, frei Haus geliefert. Und er bringt nicht nur Bier, sondern auch eine kleine köstliche Aufmerksamkeit aus Mutters Küche für uns mit. Weil wir noch nicht irritiert genug sind schenken uns Hotelangestellte noch eine Tüte voller warmer, gekochter Erdnüsse. Wir haben uns sehr auf Myanmar gefreut, aber das es so großartig ist hätten wir nicht gedacht. 
Max meint am Ende des Tages nur: "Einen besseren Geburtstag kann ich mir nicht vorstellen!"

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