17. August 2014

Tag 215 - 235 Strandleben

07.03. - 27.03.2014


Koh Phangan / Than Sadet


Heute morgen befinden wir uns auf einem Bungalow-Anlagen-Parkplatz im Westen der Insel, denn gestern Nacht sind wir mit Ron und Ludmilla nach der Fährfahrt auf ein Massaman-Curry und einige Sang Som-Coke weitergezogen. Jetzt muss schnell ein Frühstück her. Dafür fahren wir zurück in die Stadt Thong Sala. Außerdem treffen wir Martin, unseren Freund von zuhause hier. Bereits in Nepal haben sich unsere Wege schon gekreuzt und nun besuchen wir ihn an seinem "Zweitwohnsitz". Nach dem ersten Essen des Tages fahren wir auf die bergige Inselseite. 
Max und ich sind ein wenig verwirrt, denn Koh Phangan kommt uns weit weniger wild und exotisch vor als wir es in Erinnerung hatten. Die Erlebnisse und Eindrücke der letzten Monate relativieren wohl so einiges. 
Wir sind trotzdem sehr glücklich, nicht nur weil eine echte 4 WD-Fahrt auf uns wartet. Martins Lieblingsstrand ist nur übers Wasser oder dieses sehr steile Dschungelsträßchen zu erreichen. Der Cruiser meistert die kurze aber knackige Etappe mit Bravour. Als ich zum fotografieren aussteige merke ich erst wie steil das hier wirklich ist.



Ein Parkplatz mit Meerblick, wunderschöne Aussicht und zahllose köstliche Thai-Gerichte in den Restaurants am Strand machen uns das Leben leicht.


Martin ist nicht der einzige befreundete Rumtreiber von zuhause, der sich gerade hier aufhält. Ein paar Kilometer weiter nördlich ist nämlich noch die Lisl. Und die müssen wir ganz dringend besuchen. So fahren wir durchs bergige Terrain nach Than Sadet. Der kleine, aber sehr feine Strand wird für die nächsten Wochen unser zuhause sein. Wir richten uns wegen der Kokosnussgefahr nicht unter, aber neben Palmen ein und dann geht der Urlaub richtig los. Da wir ziemlich verkümmert sind gehört essen zu unseren Hauptaktivitäten. Zwischendurch wird beim Klettern in den Felsen oder beim Schwimmen und Wellenspielen etwas Muskelaufbautraining betrieben. Ansonsten machen wir das was man im Urlaub eben so macht. Im Laufe der nächsten Tage stoßen noch zwei Freundinnen aus Ulm, Janine und Mimi, zu uns. Außerdem tauchen Kevin und Kitty, die belgischen Motorradfahrer, am Strand auf. Klar ist, dass wir eine gute Truppe sind und so lassen wir es uns nach allen Regeln der Kunst gut gehen.









Tag 213 + 214 Highway to Koh Phangan

05.03. - 06.03.2014


Mae Sot - Tak - Koh Phangan


Unser letzter längerer Aufenthalt war im Januar in Kodaikanal in Indien. Seither haben wir einige tausend Kilometer zurückgelegt und es ist viel passiert. Um uns und dem Cruiser eine Pause zu gönnen haben wir Koh Phangan ausgesucht. Eine Insel im Süden des Landes im thailändischen Golf. Was uns dort erwartet wissen wir schon, denn wir waren bereits zweimal da und es war großartig. Über 1200 Kilometer trennen uns allerdings noch vom Ziel. In diesem Sinne fällt Vormittags der Startschuss und wir machen uns auf den Weg. Die Bergabfahrt durch das Grenzgebirge ist schnell und macht richtig Laune. Nach einer Kurve sehen wir Christian, den Schweizer Motorradfahrer aus der Myanmargruppe, mitsamt seinem defekten Zweirad auf der Ladefläche eines Pick-Up sitzen. 


Sein Fahrer kennt die Strecke gut und lässt es krachen. Max nimmt die Verfolgung auf und grinst über beide Ohren. Einige Zeit später dringt der, von Bergfahrten, bekannte Geruch überhitzter Bremsen in den Innenraum des Cruisers. Wir ordnen das Problem einem anderen Fahrzeug zu und verfolgen weiter. Die Geruchsintensität steigert sich, ein neues unschönes Geräusch tritt hinzu und in einer der nächsten Kurven meint Max nur kurz: "Du, die Bremswirkung war auch schonmal besser." Natürlich halten wir sofort an und stellen fest, dass der Gestank wohl doch von unserem Auto kam. Die Bremsscheiben sind glühend heiß, rauchen vor sich hin und die Beläge sind runter. Hui! Nach einer Abkühlpause machen wir uns mit Motorbremse gemächlich auf ins Tal um in Tak, dem 40 Kilometer entfernten nächsten größeren Ort, eine Werkstatt aufzusuchen. Die Schrauber im Industriegebiet der Stadt können uns nicht weiter helfen aber zum Glück gibt es in Thailand Toyotaniederlassungen wie Sand am Meer. Der Werkstattmeister und fast alle seine Mechaniker nehmen sich hier unverzüglich unseres Problems an und statten den Cruiser mit neuen Bremsen und frischem Motoröl aus. 


Während sich Max in der Werkstatt rumtreibt darf ich in der Kundenlodge im Internet surfen und bekomme eisgekühlten Orangensaft serviert. Wir sind sehr dankbar für die zuvorkommende und freundliche Behandlung, bezahlen die nicht allzu hohe Rechnung und machen uns nach dreistündiger Verzögerung wieder auf Richtung Süden.
Im Vergleich zu den letzten Monaten rasen wir mit über 100 km/h auf einem zweispurigen tadellosen Highway dahin. Es ist viel los auf der Strasse. Die meisten Autos sind nagelneu und mit rundum getönten Scheiben und diversen beleuchtungs- und soundtechnischen Extras ausgestattet. Die Tuning-Verrücktheit der Thais kommt besonders in der Dunkelheit zum Tragen, denn die Beleuchtung und Beschallung erweckt ab und zu den Eindruck eines fahrenden Volksfestkarusells. Die Überlandreisebusse stehen den PKW und Pick-Ups in keiner Weise nach. Im Gegenteil. Sie sind noch bunter, lauter und schneller. 
Nachts erreichen wir Bangkok, die funkelnde Millionenmetropole und Hauptstadt des Landes. Auf mehreren Ebenen durchziehen Beton-Autobahnen die Stadt und unsere Durchquerung von Nord nach Süd gleicht eher einem Computerspiel-Autorennen als einer realen Fahrt. 

   
Es ist spät geworden und wir sind sicher schon elf Stunden unterwegs. An einer Tankstelle fragen wir das Personal ob wir hier übernachten können und die Mädels meinen nur: "Yes, yes. No problem. Sleep." Das ist schön unkompliziert, wie wir das von Thailand gewöhnt sind. Nachdem wir geparkt haben wiegt uns die Trillerpfeife der Zapfsäuleneinweiserin in den Schlaf. 
Am nächsten Morgen sehen wir erst welch luxuriösen Platz wir gewählt haben. Es gibt einen 24-Stunden-Supermarkt, Geldautomaten, eine Kaffeebar mit Internet, ein Restaurant und ein sauberes stilvolles Toilettenhaus. Zu unserer Tankfüllung bekommen wir wieder zwei Liter Trinkwasser geschenkt, denn dass gehört zum guten Service an südostasiatischen Tankstellen. Trotz des Luxus fahren wir natürlich weiter. Es sind noch etwa 700 Kilometer und wir wollen doch auf die Insel! 
Nachmittags ist es vollbracht. Wir stehen in Don Sak am Ticketschalter für die letzte Fähre des Tages nach Koh Phangan und wir dürfen mit drauf! Unsere Freude ist riesig. Die Abendsonne spiegelt sich im türkisblauen Meer und wir blicken auf kleine palmengesäumte Buchten. Unter diesen Umständen kann man schonmal eineinhalb Stunden auf das Ablegen einer Fähre warten. Kurz nach 18.oo Uhr schippern wir los. 


Auf dem Passagierdeck lernen wir den Engländer Ron und seine Frau Ludmilla kennen. Die beiden sind ein ungleiches aber unheimlich witziges Paar und die Bootsfahrt vergeht wie im Flug. 
Die Fähre legt an und schreiend vor Freude fahren wir den Cruiser runter vom Schiff und rauf auf Koh Phangan! Ein Traum ist soeben wahr geworden! Unglaublich!

15. August 2014

Tag 212 - Zurück in die Zukunft

04.03.2014


Hpa An (Myanmar) - Mae Sot (Thailand)


Die Pass-Strasse nach Thailand ist aufgrund ihres Zustandes täglich nur in eine Richtung befahrbar. Heute sind wir an der Reihe in den Grenzort Myawaddy zu gelangen. Nach anfänglichen Navigationsproblemen mit Feldwegausflügen und einer Stadtrundfahrt durch Hpa An geht auch für uns der Pass-Spaß los. Die Regel, nur Verkehr in einer Richtung zu gestatten, macht durchaus Sinn, denn der Weg ist schmal, sehr kurvig, zum Teil unbefestigt, zerbröckelt und ins Tal gestürzt. Zweiräder kommen als Gegenverkehr aber durchaus in Frage. Wir überholen etliche LKW und vollgepackte Autos und es macht richtig Laune. Dieser Pass wird mit Sicherheit in die Liste "Beste Straßen der Reise" aufgenommen! 






Nachmittags um 14.30 Uhr kommen wir nach vier Stunden spannender Fahrt in Myawaddy an und stehen auf der Hauptstrasse vor der Grenze im Verkehrschaos. Die Überwachungseinheit der Regierung ist auch schon da und stellt uns vor die Wahl das Land heute oder morgen zu verlassen. Besonders attraktiv ist die Stadt nicht. Darum beschließen wir die Grenzformalitäten jetzt zu erledigen und einen Tag eher als geplant auszureisen. Helen und Jens tummeln sich einige Meter weiter vor uns im Stau. Wir lassen die Fahrzeuge mitten auf der Straße stehen und begeben uns ins Büro der Einwanderungsbehörde. Hier werden die Pässe und das Carnet gestempelt und natürlich wird von jedem noch ein Abschiedsfoto angefertigt. Dann dürfen wir die Autos durchs Grenztor fahren. Nachdem auch die Landcruiser von allen Seiten abgelichtet sind müssen wir leider unser einlaminiertes Myanmar-Spezialkennzeichen wieder abgeben. Das wäre ein schönes Souvenir gewesen. 


Das Ende der Myanmar-Durchfahrt ist gekommen. (Staatlich kontrollierte) Gruppenreisen sind zwar nicht unser Ding, aber wegen der geselligen Abende und freiwilligen Konvoifahrten hat es auf jeden Fall Spaß gemacht. Außerdem konnten wir Erfahrungen austauschen und haben viele gute Leute kennen gelernt, die wir sicher irgendwann irgendwo wieder treffen werden.
Das Land der Pagoden und ganz besonders seine Einwohner haben uns begeistert. Es bleibt wirklich zu hoffen, dass sich ihre Lebensbedingungen durch fortschreitende Demokratisierung in Zukunft verbessern. 
Über eine Brücke sind wir eingereist und jetzt reisen wir über eine andere Brücke aus, auf der wir wieder in den Linksverkehr übergehen. An der thailändischen Grenzstation in Mae Sot verabschieden wir uns von Gisela und Michael, die den Zoll-Papierkram schon hinter sich haben und begeben uns ins Gewühl. Den Einreisestempel im Pass bekommen wir ziemlich zügig aber die Einfuhr des Cruisers bedarf ausgiebiger Schreibarbeit. Ein etwa fünfseitiges Formular in dreifacher Ausführung ist erforderlich. Max gibt entnervt nach der ersten Seite auf und ich vollende das Werk auf dem Bürgersteig mitten im Ein- und Ausreiseverkehr. Dann müssen überall noch Stempel drauf und wir dürfen mit unserem Papierstapel zum Zollschalter. Nach kurzer Verhandlung mit der korrekten Beamtin bekommen wir den Carnetstempel und eine einjährige Aufenthaltsgenehmigung für unser Auto. Geschafft! 


Spätnachmittags legen wir die ersten Meter auf Thailands Strassen zurück. Durchgehend asphaltierte zweispurige Fahrbahnen, schneller Verkehr, Ampelanlagen, mehrstöckige solide Gebäude, Supermärkte und nagelneue Autos geben uns das Gefühl wieder in die moderne Welt zurückgekehrt zu sein. Verrückt ist das. Den Abend verbringen wir zu zweit mit einem riesigen schmackhaften Thai-Buffet und Singha-Bier in Mae Sot. Jetzt kann der Urlaub losgehen.



14. August 2014

Tag 210 + 211 - Golden Rock & Zwekabin

02.03. - 03.03.2014


Nay Pyi Taw - Kyaikto - Hpa An


Auf einer lediglich zweispurigen Autobahn kehren wir Nay Pyi Taw den Rücken und sind sicher, dass wir hierher niemals zurück kommen werden. Die Strasse führt uns knapp 300 Kilometer durch eine dünn besiedelte und nur mäßig bewachsene braune Ebene nach Süden. Es ist nichts los. Weder auf noch neben der Fahrbahn. Ab und zu kommen James-Bond-Geheimdienstgefühle auf, wenn wir an eingezäunten Grundstücken mit riesigen Satellitenschüsselanlagen und halbunterirdisch getarnten Bauten vorbeifahren. 


Als wir die Autobahn verlassen wird es hügeliger und grüner und wir steuern nun Kyaikto an. Der kleine Ort ist ganz auf einheimischen, aber auch ausländischen Tourismus ausgelegt. Denn nur unweit entfernt befindet sich der heilige Goldene Felsen, der gläubigen Buddhisten als Pilgerstätte dient. Der große Brocken Granit schwebt förmlich am Abhang eines Berges und glänzt blattgoldbestückt in der Sonne. Wir entscheiden uns gegen eine Besichtigung aus der Nähe, denn auch hier haben Frauen keinen Zutritt und es ist uns ein wenig zu kostspielig. So geben wir uns während des Aufenthaltes alltäglichen Dingen wie Wäsche waschen und Auto putzen hin. 
Am 03. März geht es auch schon weiter nach Hpa An. Jetzt ist wieder was los auf der Strasse.


Auf der etwa 150 Kilometer langen Fahrt erleben wir einen Landschaftswandel in Vollendung. Vor allem nach der Geisterhauptstadt und der öden Autobahnetappe sind die grünen Reisfelder und dschungelbewachsenen Karstgesteinformationen eine echte Augenweide. 



Beinahe jeder Felsen ist gekrönt von einem oder sogar mehreren buddhistischen Klöstern und von goldenen Pagodenspitzen. Das ist ein prächtiges Panorama. 
Außerhalb der Stadt parken wir auf einer Wiese vor einer steilen Felswand neben dem Hotel "Zwekabin". Irgendwie kommt uns das etwas holländisch vor. Ist es aber nicht. Die Unterkunft wurde natürlich nach dem nahe gelegenen heiligen Berg Mount Zwekabin benannt. 
An diesem Abend dürfen wir außerdem eine ganz besondere Bekanntschaft machen. Zum Glück nicht die mit einer der zahlreichen Schlangen im knietiefen Gras sondern die mit Gunther Holtorf, einem außergewöhnlichen Weltreisenden. Mit seinem  Mercedes G-Model namens "Otto" bereist er seit 1989 die Länder der Erde. Über 800000 Kilometer hat er, früher begleitet von seiner leider verstorbenen Ehefrau, bereits  zurückgelegt. Myanmar fehlt ihm noch auf der kurzen Liste der nicht besuchten Länder. Wir sind sehr fasziniert von dieser Geschichte und mittlerweile überzeugt davon, dass dies auch nicht die letzte Tour in unserem Leben ist.






12. August 2014

Tag 209 - Regimegigantomanie

01.03.2014


Nyaungshwe - Nay Piy Taw


Wir verlassen den schönen Inle Lake auf dem gleichen Weg den wir gekommen sind. Heute sorgt die kurvenreiche Strasse durch die Shan Yoma Berge bei vielen Tourteilnehmern aber eher für Missmut. Denn der gestrige Abend mit Mojito, Bier und Musik am Lagerfeuer war etwas länger als geplant. Ohne schwere Zwischenfälle schaffen es alle Fahrer und Beifahrer die Serpentinen hinter sich zu lassen. Nun befinden wir uns auf einer schönen geraden Fahrbahn die uns direkt nach Nay Pyi Taw führt. 



Seit März 2006 ist diese Stadt, deren Name übersetzt "Heimstatt der Könige" bedeutet, neue Hauptstadt und Regierungssitz des Landes. Es handelt sich nicht, wie man nun denken könnte, um einen historisch bedeutenden Ort. Nein, vielmehr offenbart sich inmitten der Steppe eine Retortenstadt unheimlichen Ausmasses, deren Bau 2002 begonnen hat und deren Fertigstellung offensichtlich noch immer auf sich warten lässt. Was die Regierung zum Umzug veranlasste ist bis heute in Einzelheiten nicht geklärt, Spekulationen gibt es natürlich viele.
Wir können jedenfalls kaum glauben was wir hier zu Gesicht bekommen. Die kleine ländliche Strasse verwandelt sich ohne Vorwarnung in einen monströsen, mindestens 3-spurigen Highway. Hier und da fährt ein PKW oder ein Moped, aber von Großstadtverkehr keine Spur. Laut offiziellen Angaben sollen hier über eine Million Menschen wohnen. Wir fragen uns schon ein bisschen wo die wohl alle gerade sind. Riesige, zum Teil sehr seltsam verzierte, Kreisverkehre durchbrechen regelmäßig die Geradlinigkeit der landebahnähnlichen Fahrbahn. Neben der Autobahn sehen wir lange Zeit nur ein paar Büsche und Feldwege. Dann taucht in der Ferne eine ebenfalls monströse goldene Pagodenspitze auf. Das Militärregime hat doch tatsächlich die heilige Shwedagon-Pagode in Yangon nachbauen lassen. 2009 wurde das Bauwerk fertig gestellt und trägt nun den Namen Uppatasanti ("Schutz gegen Unheil") Pagode. Wir sind verwirrt während wir an Neubau-Wohnzonen vorüberfahren. 






Zugegeben, wir sind nicht in die Regierungszone, die fertiggestellten Wohnzonen oder die Naherholungszone vorgedrungen, aber was wir bisher gesehen haben hat uns schon gereicht. Die internationale Zone beispielsweise bietet vier Hektar Land für Botschaften und UN-Gesandte. Aber lediglich die Vertretung Bangladeschs ist von Yangon, der alten Hauptstadt, übergesiedelt. Alle anderen ziehen es vor zu bleiben wo sie sind. Und das vermutlich nicht ohne guten Grund.
In der Hotelzone der Stadt angekommen warten bereits die Angestellten des noblen "Sky Palace" Hotels auf dem Parkplatz mit einem Willkommensgetränk. Wir werden höflich über die Nutzung der sanitären Anlagen informiert und auf das Abendbuffet mit Live-Musik-Untermahlung im schicken Flugzeugcafé aufmerksam gemacht.




Die meisten Mitreisenden sind genau so verwirrt wie Max und ich. Eine so absonderliche Atmosphäre hatten wir auf der ganzen Reise noch nicht und diese unwirkliche Regime-Gigantomanie ist ehrlich beängstigend.




Tag 207 + 208 - Nach Osten zum Inle Lake

27.02. - 28.02.2014


Bagan - Nyaungshwe


Die Hotelmülleimer quellen nach zwei Sit-In-Nächten auf dem Parkplatz über und wir verlassen das 5-Sterne-Luxusresort in Bagan schnell bevor es peinlich wird. Vorbei an weiteren Pagoden reist das Landcruiser-Trio nach Osten. Seit Mandalay sind Michael und Gisela mit neue Kupplung wieder mobil!
Wir überqueren das Bago Yoma Gebirge. Hierbei handelt es sich eher um eine Hügelkette, deren ursprünglich dichte Tropenholzwälder der landesweit um sich greifenden, rasanten Abholzung zum Opfer gefallen sind. Mit Teak und Eisenbaum lassen sich gute Geschäfte machen und der mächtige Nachbar China trägt einen großen Teil zur Versteppung Myanmars bei. In Südostasien ist dies leider kein Sonderfall.
Später führt uns eine schmale asphaltierte Straße durch die heiße Ebene Zentralmyanmars. Selbst ein kurzer Stau wegen eines defekten LKW auf einer Brücke kann an unserer guten Laune momentan nichts ändern. Im Gegenteil. Ein einheimischer Busfahrer sorgt für große Belustigung indem er versucht sein Fahrzeug, am Stau vorbei, durch einen Graben zu befördern. Hat nicht so gut geklappt.





Mitfahrgelegenheit
Da steckt der Bus
Die Ebene weicht einem Gebirgszug. Noch immer ist die Straße weitestgehend perfekt und die feinen Serpentinen lassen die Fahrerherzen höher schlagen. Sehr angenehm ist auch die kühlere Aussentemperatur in der Höhe. Schade ist, dass wir die Route nicht verlassen dürfen, denn hier gibt es soviel zu entdecken und der Cruiser fühlt sich ausgesprochen wohl im Toyotaland Myanmar. 



Burmesische Interpretation westlicher Architektur
Der Tag vergeht wie im Flug. Wie immer trudeln wir kurz vor Sonnenuntergang am Ziel ein. Die kleine Ortschaft Nyaungshwe am nördlichen Ende des Inle Lake ist Hauptanlaufstelle für Touristen, die Myanmars zweitgrößten, aber nur knapp vier Meter tiefen, See einen lohnenswerten Besuch abstatten. 
Das Stadtbild ist geprägt von Souvenirläden, Bars, Hotels und Restaurants in welchen Einheimische sonnenverbrannte, mit Kameras behangene Westler bedienen. Nach einer kurzen Fahrt durch den Ort erreichen wir das obligatorische Fußballfeld. Hier liefern sich gerade junge Mönche ein Match. Wir errichten unser Camp und machen Pläne für den nächsten Tag.




Die Hauptattraktion hier ist natürlich der See mit seinen berühmten Einbeinruderern und den schwimmenden Gärten und Dörfern. Eine Bootsfahrt ist genau das Richtige um das Gewässer zu erkunden und am Anleger im Ortskern stehen etliche motorisierte, schmale Holzboote zur Vermietung bereit. 



Gegen 11.oo Uhr starten wir den Tagesausflug. Rasant fahren wir einen Kanal entlang, werden von Möwen begleitet und auf einmal eröffnet sich vor uns ein unglaubliches Panorama.



Der braune Kanal wird zum blauen See. Reusenfischer rudern gemächlich einbeinig dahin und auf den, aus Sumpf, Erde und Wasserhyazinthen aufgebauten, schwimmenden Gärten betreiben die Intha, die Bewohner des Sees, Landwirtschaft. Die fruchtbaren flottierenden Massen werden durch, am Grund verankerte, Bambusstöcke am Wegschwimmen gehindert. 








Die angenehme Stimmung wird kurz unterbrochen als wir an einer Tempelanlage mit Souvenirmarkt einen Zwischenstopp einlegen. Hier herrscht reges Touristentreiben da es die große, imposante königliche Barke zu besichtigen gibt. Dieses, von einem mysthischen Hintha-Vogel geschmückte Boot, wird zum Lichterfest im Oktober mit heiligen Buddhafiguren bestückt und etwa drei Wochen lang von Dorf zu Dorf bewegt. 



Wir sind jetzt schon eine Weile unterwegs und langsam ganz schön hungrig. Unser Steuermann bringt uns in ein kleines schwimmendes Dorf und empfiehlt ein Restaurant. Hier auf dem See gibt es das beste Essen seit Langem: einen unheimlich köstlichen Reis-Kartoffelsalat auf Inle Lake-Art und Hot & Sour Fish aus den hiesigen Fanggründen. 
Sehr beeindruckt von den Kochkünsten der Intha geht die Fahrt weiter durch die Wasserstrassen des, auf Pfählen gebauten, Dörfchens. 







Zum Abschluss des Ausfluges besuchen wir eine eindrucksvolle Tempelanlage am Ufer des Sees und treten anschließend am späten Nachmittag den langen, beschaulichen Rückweg nach Nyaungshwe an.