31. Januar 2014

Tag 114 - 122 Die Nepalstory - Kapitel 4

26.11. - 04.12.2013

What to do in Kathmandu?

Ein Tag angenehme Landstraßenfahrt führt uns in Richtung Kathmandu. Wir kommen gut voran und genießen die Ausblicke. Der letzte Pass vor der Stadt soll heute unsere einzige Hürde sein. Auf der Hauptzufahrt von Süd-Westen her herrscht baustellen- und straßenverschleißbedingtes Verkehrschaos und für die letzten 20 Kilometer brauchen wir etwa zwei Stunden. 



Dann liegt Nepals Hauptstadt in einem Talkessel auf 1300 m vor uns. Wir haben Glück, da heute einer der wenigen klaren, smogarmen Tage zu sein scheint und so schlängeln wir uns in der Dämmerung mit Himalayapanorama runter ins Großstadtgewühl. Im Vergleich zu Nordindien herrscht hier allerdings höchst zivilisierter Verkehr und wir finden ohne Umwege das Sparkling Turtle Guest House im Stadtteil Swayambunath. In dessen Carport dürfen wir günstig parken und im Cruiser übernachten. 
Am nächsten Morgen machen wir uns schnell auf den Weg um Martin zu verabschieden, der heute wieder zurück nach Thailand fliegt. Anschließend schlendern wir durch die belebten Gassen und Straßen und freuen uns über die angenehme Atmosphäre der Großstadt. Wir finden Kathmandu gut! Auch wenn es deutlich moderner ist als erwartet.





Unser Hostel ist idealer Ausgangspunkt fürs Affentempel-Sightseeing. Um Geld zu sparen versuchen wir die höher gelegene Tempelanlage durch den Wald zu erreichen. Die Aktion endet mit einem völlig verkletteten Max, einer einstündigen Entklettung zur Belustigung der Nepalesen und dann doch mit der Bezahlung des Eintrittspreises. Einen Versuch war es jedenfalls wert und der Tempelbesuch hat sich gelohnt. Ansonsten hat Kathmandu und Umgebung einiges an Sehenswürdigkeiten zu bieten und wir geben uns große Mühe so viele wie möglich zu besichtigen. Aber der Aufenthalt hier soll durch drei wichtige Aufgaben maßgeblich geprägt sein und Sightseeing gehört leider nicht dazu.










Unsere drei Campingfreunde aus Pokhara sind auch noch in der Stadt, denn die Mission ist noch nicht abgeschlossen. Also ziehen wir zu ihnen nach Buddha in den Osten der Stadt, schlafen auf einer Hotelbaustelle mit wunderschönem Garten und dem dichtesten, grünsten Gras dass wir je gesehen und betreten haben. Und weil es mittlerweile schon ganz schön kalt geworden ist gibt es sogar einmal gutes deutsches Hühnerfrikassee mit Reis! Hmmmm!!




Jetzt zu unseren Aufgaben: 
Erstens brauchen wir ein neues Radlager für den Cruiser um unser neues fieses Begleitgeräusch von hinten links auszumerzen. Also steht der Wagen dreibeinig auf der Baustelle und wir machen Bekanntschaft mit der Toyotacrew in Kathmandu. Wie immer sind alle sehr hilfsbereit und freundlich und es gibt Tee in der Wartezeit. Nach zwei Tagen ist das neue Lager eingepresst, das Auto wieder komplett und wir sind glücklich!


Zweitens brauchen wir ein Visum für Myanmar, denn Indien soll nicht unser letztes Reiseziel sein! Wir haben tatsächlich die Möglichkeit Myanmar mit dem eigenen Auto, im Konvoi, zu bereisen und nach Thailand zu cruisen!!! Visumbeschaffung, nichts leichter als das. In unserem 2013 aktualisierten Kathmandu-Stadtplan ist die Botschaft eingezeichnet und wir machen uns mit dem Taxi auf den Weg. Am Ziel angekommen fehlt jedoch von der Botschaft jede Spur. Alle Locals wissen von einem Umzug vor einigen Monaten oder Jahren, aber wohin weiß keiner so genau. Wir stehen etwas ratlos herum und kommen mit einem Herrn ins Gespräch. Er beschließt kurzer Hand uns behilflich zu sein und wir dürfen in seinem nahe gelegenen Büro das Internet nutzen um die neue Adresse der Behörde ausfindig zu machen. Seine Mitarbeiter werden umgehend involviert, einer telefoniert herum, ein anderer sucht ebenfalls die neue Adresse und nach zwanzig Minuten wissen wir, dass die Botschaft heute zu hat und wir im völlig falschen Stadtteil unterwegs sind. Also machen wir uns am nächsten Morgen erneut auf den Weg, finden das Amt, erledigen die Formalitäten auf der Veranda und schon am nächsten Nachmittag sind unsere Pässe um ein Visum reicher und wir sind glücklich!


Die dritte und letzte Aufgabe ist die schwierigste und nervenaufreibenste von allen! Hierbei handelt es sich um die oben genannte Mission. Paul hat sich auf seiner Reise in eine äußerst missliche Lage manövriert, und die soll jetzt gelöst werden. Es handelt sich um ein Visumproblem und einer damit verbundenen drohenden Gefängnisstrafe für unseren neuen Freund. Bereits in Pame haben wir zu fünft nach Lösungsmöglichkeiten gesucht und Paul überredet mit nach Kathmandu zu kommen um der ausweglos erscheinenden Situation ein Ende zu bereiten. Tag für Tag fahren Paul, Helen und Jens zur britischen Botschaft und zur nepalesischen Ausländerbehörde und kommen jeden Abend mit schlechteren Neuigkeiten die Zukunft Pauls betreffend zurück. Ein neuer Notfallpass ist bereits vorhanden, auch ein Flugticket nach Hause nach England haben Helen und Jens organisiert, aber die Behörde stellt sich quer ein Ausreisevisum auszustellen und will Paul verhaften. Jetzt müssen Beweise her die belegen, dass Paul sich in Nepal nichts zu Schulden hat kommen lassen. Nach vielen e-Mails und Telefongesprächen sind Abends vor Tag X, dem Abflugtermin, Beweisunterlagen vorhanden, die die Beamten des Immigration Office überzeugen müssen ein Visum auszustellen. Die Stimmung im Garten ist angespannt und wir hoffen alle nur das Beste. Paul ist ganz still, bis auf die Bemerkung: "Morgen geh ich ins Gefängnis oder nicht, egal, Hauptsache das Ganze hat endlich ein Ende!" Und zu guter Letzt schenkt er jedem von uns zum "Abschied" eine Kleinigkeit mit großer Geschichte und Bedeutung aus seinem Reisegepäck. Wir alle sind gerührt und betreten zugleich. Dann kommt Tag X. Zu fünft machen wir uns auf zur Behörde. Jens und Helen begleiten Paul hinein. Max und ich kümmern uns währenddessen um das Radlager und das Myanmarvisum. Den Tag über erhalten wir nur sehr beunruhigende Nachrichten die nichts Gutes ahnen lassen. Abends warten wir gespannt auf die Heimkehrer. Bereits in der Dunkelheit, lange nach offiziellem Ende der behördlichen Öffnungszeiten, biegt endlich der Landcruiser um die Kurve. Die Spannung steigt ins unermessliche. Wie viele Personen sitzen im Auto? Was ist mit Paul? Wir rennen dem Wagen entgegen. Die Fenster gehen auf und wir hören laute Musik und Jubelgeschrei! 
"We made it!" Paul ist ein freier Mann. Unsere Erleichterung und Freude ist riesig. Uns allen fällt kein Stein sondern der gesamte Himalaya vom Herzen! Unsere tibetische Vermieterin verrät uns, dass sie den ganzen Tag für Paul gebetet hat und teilt die Freude mit uns! Bis zu Pauls Abflug stehen und sitzen wir ausgelassen zusammen und trinken Bier. Dann fahren wir wieder alle zusammen los, diesmal mit Bombenstimmung Richtung Flughafen. Dort verabschieden wir Paul auf dem Parkplatz mit Konfetti und Geschrei!



Unvorstellbar, aber die Nepaul-Story hat ein Happy End! Wir wünschen Paul von Herzen alles alles Gute für seinen Neustart in der Heimat!

Alle Aufgaben sind erledigt und es ist viel zu kalt geworden in Nepal. Deshalb geht es für uns vier Verbliebenen ab nach Süden zur indischen Grenze. Das wir auf dem Weg einen solchen Übernachtungsplatz finden würden und die Straße eine der schönsten der ganzen Reise wird hätten wir bei unserer Abfahrt in Kathmandu nicht für möglich gehalten!








N E P A L E S E N   U N D   N E P A L E S I N N E N,
I C H   B I N   F R O H   D A S S   I C H   H I E R   G E W E S E N   B I N.
D A N K E ! 

(Frei nach 5 Sterne Deluxe)

Tag 87 - 113 Die Nepalstory - Kapitel 3

31.10. - 25.11.2013

Shanti, Shanti


Der 31.10.13 ist ein guter Tag um Richtung Pokhara aufzubrechen. Hierfür gibt es drei gute Gründe von denen uns am Abreisevormittag allerdings nur einer bekannt ist. Morgen wollen wir uns dort mit Martin treffen und freuen uns schon sehr darauf. Die Stadt liegt circa 400 km nordöstlich vom Tigerpark entfernt und bei einer durchschnittlichen Reisegeschwindigkeit von 40 km/h hierzulande planen wir zwei entspannte Tage ein für die Fahrt dorthin. Am frühen Nachmittag cruisen wir los und sehen nach 20 km den zweiten guten Grund am Straßenrand. Die beiden Schweizer von vorgestern kreuzen erneut unseren Weg und diesmal beschließen wir zusammen im nahegelegenen Dorf unter Beobachtung der interessierten Bewohner einen Tee zu trinken. Da wir uns gut verstehen und die Radler frühzeitig auf Nachtquartiersuche gehen wollen endet unsere heutige Fahrt unerwartet früh im Hof eines Hotels für ein selbstgekochtes Abendessen in bester Gesellschaft. Wir essen, trinken Bier, unterhalten uns prächtig, haben Spaß und die Zeit verfliegt bis der dritte gute Grund der gemütlichen Runde ein Ende bereitet. Ein betrunkener junger Nepalese kommt mit seinen Kumpels aus der Schnaps/Bier-Bar des Hotels und findet natürlich unmittelbar Gefallen an uns. Nach dem gewohnten Small-Talk erhalen wir eine äußerst nützliche aber unkomfortable Information. Im Zuge der vorgezogenen Parlamentswahlen die Mitte November in Nepal stattfinden, soll es am 1.11. zu maoistischen Straßenblockaden kommen und die Weiterfahrt mit dem Auto ist dann unmöglich. Um also nicht im politisch motivierten Stau zu versauern müssen wir leider unser Quartier mitten in der Nacht um 2.30 Uhr verlassen um die 250 km entfernte nächste Stadt Butwal vor 7.00 Uhr zu erreichen. Laut unserer alkoholisierten Quelle sollten wir so keine Probleme bekommen nach Pokhara durchzufahren. Also klingelt der Wecker vier Stunden später und wir sind nicht sonderlich erfreut darüber. Umso mehr freuen wir uns über Jean-Daniels unheimlich nette Verabschiedungsgeste. Er winkt uns kurz vor halb drei vom Hotelbalkon im ersten Stock zur Abfahrt wie wild mit seiner Taschenlampe zu. Vielleicht treffen wir die beiden ja wieder und können die Runde anderswo fortsetzen, denn bekanntlich sind ja aller guten Dinge drei. jeandaetleo.blogspot.com

Es ist stockfinster und dichte Dschungelnebelschwaden verschleiern zusätzlich die Sicht. Zum Glück hat Max am Vorabend noch die vier Zusatzscheinwerfer am Dachträger am Unterrand mit Panzertape abgeklebt, sonst hätten wir vermutlich nichts oder nur unsere hell erleuchtete Motorhaube gesehen. Wir sind nahezu allein auf der Straße, nur ein paar LKW sind unterwegs. Allerdings kommen wir nicht so schnell voran wie erwartet und Butwal vor sieben Uhr zu erreichen scheint nach drei Stunden Fahrt völlig utopisch. Bereits jetzt schon herrscht ein massives Aufgebot an Militär und Polizei, sogar in kleinsten Siedlungen, und wir fragen uns schon was hier heute wohl noch vor sich gehen wird. Um halb sechs müssen wir das erste Mal in einem kleine Ort hinter einigen wartenden Fahrzeugen stoppen. Hm? Ein Einheimischer winkt uns auf die Gegenfahrbahn, ruft irgendwas von „Tourist!“ und wir werden aufgefordert die im Bau befindliche Straßenblockade aus gestapelten Wackersteinen zu überfahren. Zum wiederholten Mal auf unserer Reise sind wir sehr froh um unseren Geländewagen, bedanken uns bei den Maoisten für die zuvorkommende Behandlung und fahren schnell weg. Erfreulicherweise waren die Parteianhänger dieses Ortes wohl sehr früh wach und blockademotiviert, jedenfalls haben wir nun bis Butwal freie Fahrt. Mal abgesehen von der zunehmenden Anzahl an Fußgängern, Tieren und Radfahrern die sich in der Dunkelheit auf der schmalen, kurvigen Straße tummeln. Ohne Kollision erreichen wir die Stadt eine halbe Stunde zu spät. Mittlerweile ist der Tag angebrochen und der Nebel hat sich gelichtet. Dies führt dazu, dass wir leider nicht unbeobachtet an den Militäreinsatztruppen im Stadtzentrum vorbeikommen. Ein Befehlshaber stoppt unseren Cruiser, tritt ans Fenster und verkündet sehr freundlich aber bestimmt: “You are not allowed to drive alone because of politically motivated riots in this area. We will escort you!“ Hm!? Wieder eine Polizeieskorte, und das in Nepal. Das entspricht jetzt nicht wirklich unseren Vorstellungen. Offensichtlich führt aber kein Weg daran vorbei und nach 1 1/2 Stunden Wartezeit auf das eskortierende Fahrzeug schiebt sich unser Konvoi, bestehend aus einem Moped, einigen Bussen voller nepalesischer Schulkinder und uns im Schneckentempo Richtung Norden. Von gefährlichen Aufständen und Extremisten fehlt jede Spur. Die Dorfbewohner staunen nur mit großen Augen und offenem Mund was da auf der Straße vor sich geht. Einer fällt sogar vor Verwunderung mit seinem Moped am Straßenrand einfach um. Wir fahren über dschungelbewachsene Berge entlang tiefer Schluchten und Reisfeldterassen und die Landschaft ist einfach nur atemberaubend schön. Das Ganze entschädigt uns vollkommen für die stockende Fahrt. 



Nach 40 Kilometern sind wir die Schutztruppe endlich los und legen den kurvenreichsten Abschnitt der gesamten Reise bis Pokhara ohne Zwischenfälle alleine zurück. Mittags um eins sind wir endlich am Ziel und erreichen Lake Side/Pokhara, das Touristenviertel der Stadt. Während wir langsam, die von Guest Houses, Hotels, Shops und Restaurants gesäumte Hauptstraße, entlang fahren ereilt uns wieder ein Kulturschock. Diesmal handelt es sich allerdings um unsere eigene Kultur die für Verwirrung sorgt. Mit soviel Westlichkeit hatten wir irgendwie nicht gerechnet und die Masse an Touristen wirkt fast schon etwas bedrohlich. Wir fragen uns wo denn jetzt auf einmal das Nepal hin ist. Um den Schock zu überwinden mieten wir uns im schön am Fewa-See gelegenen Wood Pidgeon Guest House ein und treffen dort André wieder! Keine Stunde später ist auch Martin da und wir lernen schnell die Vorzüge und das Angebot einer solchen „westlichen Insel“ in Asien in Anspruch zu nehmen.

Lake Road - die Touriecke






Jetzt wird entspannt! Die Aussicht auf den See, die Kuhherden, die Vögel und die unzähligen Paraglider am Himmel bieten eine fantastische Kulisse hierfür. Nach und nach färbt der naturverbundene, lässige Shanti-Livestyle der Nepalis auf uns ab. Es gibt wahrscheinlich keinen besseren Ort die vielen Eindrücke der bisherigen Reise zu verarbeiten und wieder zur Ruhe zu kommen!
Auch der Cruiser hat sich eine Pause verdient und wir gehen mit dem untermotorisiertesten Motorroller der Welt auf Erkundungstour. Dies führt regelmäßig dazu, dass wir die höher gelegenen Aussichtspunkte in der Umgebung zu Fuß erklimmen müssen um schlimmere Schäden am Zweirad zu vermeiden. In Trekking-City muss das wohl so sein. 






Nicht weit von Pokhara entfernt liegt der kleine Ort Pame. Hier wohnt der Erich aus der Schweiz mit seiner nepalesischen Familie und Erich hat den einzigen Campingplatz in ganz Asien kreiert! Wir fahren hin und da stehen sie! All die Overlander-Fahrzeuge die wir die letzten 2 1/2 Monate nie zu Gesicht bekommen haben. Lag wohl an unserer etwas risikoreichen, dafür aber billigen, Reiseroute. Wir freuen uns über Gleichgesinnte und Erichs Campingparadies zieht uns in seinen Bann. Nach und nach füllt sich das Grundstück mit Fahrzeugen. Aufgrund der bereits erwähnten Wahlgeschichte herrscht ein zehn-tägiges Fahrverbot im ganzen Land und alle Autoreisenden wollen die Verbotsphase verständlicherweise bei Erich verbringen. Am Ende stehen elf unterschiedlichste Beförderungsmittel da. Es sei nur soviel gesagt: unser Reisemobil ist das kleinste von allen und nicht alle Overlander sind Gleichgesinnte. Wir machen es uns trotz der zunehmend engen Platzverhältnisse gemütlich und lernen Paul, Jens und Helen kennen. Paul ist hier der Sonderling, denn er wohnt in einen kleinen Zelt und kocht von morgens bis abends auf einer Werkbank davor mit einem gefährlich aussehenden Kerosinkocher im Nepali-Style. Mit Jens und Helen aus Bonn verstehen wir uns auf Anhieb sehr gut, nicht zuletzt weil die Beiden auch mit einem Landcruiser unterwegs sind. Erich sorgt mit musikalischer Untermalung von seinem Balkon aus für unser Wohlergehen. Abends gibt es Lagerfeuer, tags schwimmen wir im Goldfischteich und fühlen uns extrem wohl in Pame. Hierzu trägt auch die immer fröhliche Ladenbesitzerin im Dorf bei. Wir nennen sie nur die Snickers-Frau, da jeder Einkauf mit dem erfolgreichen Anpreisen eines Snickers endet.

Campidyll 
Paul`s Castle 
Campunidyll
Campsunrise

Pokhara ist ja berühmt für die beeindruckende Sicht auf den Himalaya. Und wenn wir schonmal da sind wollen wir die Berge auch sehen! Einzige Haken an der Sache sind, dass vor allem Morgens keine Wolken den Blick aufs Gebirge versperren und Sarangkot, der beste Aussichtspunkt, auf 1600 Metern liegt. So dauert es wohl fast zwei Wochen bis wir uns auf mein Drängen hin zu unserer längsten und einzigen Trekkingtour aufraffen können. Drei Stunden geht es für meinen Geschmack viel zu steil bergauf. Max hat Spaß beim Pfad finden durchs Dschungeldickicht und über Reisfelder. Ich verfluche mich sekündlich mehr für die Idee. Meine Aufstiegsqual ist jedoch postwendend vergessen als sich vor uns am Gipfel das höchste Gebirge der Welt gen Himmel auftürmt. Keine Wolke versperrt die Sicht! Wir sind sprachlos und begeistert und geniessen die Aussicht bis der nicht minder anstrengende Abstieg beginnt. Es ist Reiserntezeit und überall am Hang treffen wir auf arbeitende Bergdorfbewohner unterschiedlichsten Alters. Alle tragen unglaublich schwere Lasten in riesigen Bündeln auf dem Rücken leichtfüßig, barfuß bergauf und bergab. Ein Riemen um die Stirn hält als einziges Hilfsmittel das Gepäck. Ein unheimlich hilfsbereiter Opa stößt inmitten von abgeernteten, stoppeligen Feldern zu uns und ist hochmotiviert uns den richtigen Weg zu weisen. Der kleine Mann hat nur Hornhautschuhe an und flitzt los. Selbst mit normalem Schuhwerk fällt uns die Verfolgung schwer. Er schickt uns auf den richtigen Pfad ohne Dschungelbewuchs und beobachtet unseren Abstieg zufrieden bis wir aus seinem Sichtfeld verschwunden sind. Die nächsten drei Tage ist Muskelkater angesagt! 








Weils so schön war fahren wir Tage später Abends in der Dunkelheit mit dem Cruiser wieder rauf auf den Aussichtsberg. Diesmal sind Helen, Jens und Paul mit dabei. Wir parken die Autos mit 100%iger Aussichtsgarantie und gehen im „Gipfelrestaurant“ essen. Jens und Helen bestellen Nepali Thali mit Hühnchen. Als die Rechnung kommt trifft die beiden fast der Schlag. Nur das Huhn soll 2400 Rupees (20 Euro) kosten. Allerdings gewährt der Wirt bereits ohne Verhandlung 1000 Rupees Rabatt. Die Begründung für den viel zu hohen Restbetrag ist in Schrift und Bild auf der Rechnung vermerkt und lautet in etwa wie folgt: „We are in the mountains. I had to kill one chicken. My wife loves chicken. Now my wife is angry and you have to pay 1400 Rupees for the chicken!“ Nach längerem Handeln kann der Hühnerpreis auf 400 Rupees reduziert werden. Jetzt wissen wir bescheid und werden wohl nie wieder in den nepalesischen Bergen bei Hühnerfreunden ein Geflügelgericht bestellen. Die Nacht verbringen wir auf dem Gipfel und es ist bitterkalt. Aber kurz vor Sonnenaufgang stehen wir alle parat und ein fantastisches Naturschauspiel findet vor unseren Augen statt. Die Himalaya-Gipfel glühen, in den Tälern und um uns herum herrscht noch Dunkelheit oder höchstens Dämmerungsbeginn. Langsam steigt die Sonne auf und beginnt uns zu wärmen. Der Hühnertyp vom Vorabend bringt uns sogar noch Frühstück vorbei. Und wieder handelt es sich um einen unvergesslichen Augenblick auf unserer Reise!






Der wundervolle Morgen auf Sarangkot wird nur durch die Tatsache getrübt, dass unsere drei Freunde in wichtiger Mission schnell weiter nach Kathmandu müssen (siehe: Die Nepaulstory im folgenden Kapitel). Wir nehmen schweren Herzens Abschied und bleiben noch da, denn die Radler aus Magdeburg und Lausanne haben sich für die nächsten Tage angekündigt. Nachdem die Vier zufälligerweise, ohne voneinander zu wissen, zur gleichen Zeit im selben Hostel eingecheckt sind verbringen wir noch zwei supergute Tage miteinander bevor es auch für uns weiter geht nach Kathmandu.