20. Oktober 2013

Tag 66 - Go! Go! Go!

09.10.2013


Taftan - Quetta: 634 km; lt. Google Maps 6 h 47 min


Schon wieder klingelt der Wecker um sechs. Während einige pakistanische Flüchtlinge bereits von ihren Familienmitgliedern abgeholt werden trinken wir unseren Morgenkaffee. Pünktlich um halb acht steht unsere Eskorte parat, ein gemütlich dreinschauender etwas dicklicher Levie der auf den Namen Baluman hört. Wir haben heute Großes vor und wollen an einem Tag von Taftan nach Quetta, ca. 650 km.
Max nimmt auf dem Fahrersitz platz. Baluman hievt sich mitsamt seiner Kalaschnikow auf den Beifahrersitz. Ich sitze hinten auf unserem Bett. Die Reise durch Talibanland beginnt. Taftan verlassen wir auf einem staubigen Feldweg, die folgende Strasse ist nur unwesentlich besser ausgebaut. Baluman ist sehr gesellig. Wir hören Django Django, fotografieren und filmen uns gegenseitig und die Stimmung ist hervorragend. Vielleicht auch um die Gefahr um uns herum etwas herunterzuspielen. Einige tausend Schlaglöcher später halten wir am ersten Check-Point, eine Lehmbude mit Geschützhütte, an. Max und ich tragen uns ins bereitgelegte obligatorische Buch ein. Die Levietruppe hier ist gut drauf, wir auch, und es folgt eine weitere Fotosession. 




 
Dann schlaglochen wir weiter durch die menschenleere Wüste und passieren Check-Point um Check-Point. Mal müssen wir aussteigen, mal wird das Büchlein zum Fenster reingehalten. Der einzutragende Inhalt variiert jedes Mal. In der Nok Khundi-Polizeistation verabschieden wir uns von Baluman und tragen uns erneut in ein dickes Buch ein. Auf einer mittlerweile nahezu vollständig asphaltierten schnurgeraden Strasse und mit neuem Levie auf dem Beifahrersitz gehts wieder ostwärts. Die afghanische Grenze ist stets in Sichtweite. Es folgen weitere Wüsten-Checkpoints und ein weiterer Levie-Wechsel.





Die Entspanntheit und Redseligkeit der bewaffneten Begleiter nimmt immer weiter ab. Auf unsere Frage: „ Is it safe at the moment?“ erhalten wir unterschiedlichste Antworten von „Yes, yes, safe.“ bis „ Oh, very dangerous!“ Der zweite Levie zeigt uns zur Aufmunterung noch sein Einschußloch am linken Oberarm von einer Talibankonfrontation letztes Jahr. Für uns ist die ganze Lage hier überhaupt nicht einschätzbar, aber wir fühlen uns sicher. Mittags um halb zwei erreichen wir Dalbandin. Eine dreckige Wüstenkleinstadt. Der Levie will, dass wir im Restaurant des einzigen Hotels der Stadt zu mittag essen. Wir wollen nichts essen und drängen auf eine Weiterfahrt nach Quetta. Es ist noch früh und die Hälfte der Strecke haben wir hinter uns. Nichts desto Trotz müssen wir auf Befehl des Levies mitten auf der Hauptstrasse anhalten und verursachen einen Stau. Es gibt sicherlich bessere Wege kein Aufsehen zu erregen, aber was solls. Am Fahrerfenster taucht ein Mann in Zivil auf und meint die folgenden Checkpoints schließen um drei Uhr und wir sollen den restlichen Tag und die Nacht hier im Hotel verbringen. Wir vermuten hier mit dem Hotelmanager zu diskutieren der ein paar leichtverdiente Rupien wittert. Max macht ihm klar dass wir nicht genug Geld haben und sein Interesse an uns schwindet plötzlich. Er fragt uns noch: „ You have a fast car?“ Max sagt: „Yes.“ Daraufhin der Mann: „OK. Then go.“ Mittlerweile hat sich ca. ein Dutzend Schulkinder um unser Auto versammelt und wir fahren vorsichtig los um nicht noch mehr Ärger zu verursachen. In der nächsten Polizeiwache wartet das dicke Buch auf uns und der Mann in Zivil ist auch wieder da. Wir haben ihn wohl falsch eingeordnet. Der Mann scheint der Chef der Truppe hier zu sein und stockt unsere Eskorte auf. Ein Kalaschnikow-Levie auf dem Beifahrersitz und einer hinten mit mir auf der Matratze. Alles klar und jetzt raus aus Dalbandin. Am Ortsende wartet bereits der nächste Kontrollpunkt. Hier verzögert sich unsere Weiterreise da das Eintragebuch verschollen ist. Eineinhalb Stunden warten wir in der Mittagssonne mitten in der Wüste. Ganz schön heiße Geschichte, vor allem weil ich mit meinem Privat-Levie bei geschlossenen Fenstern im Bett sitzen bleiben muß. Dann taucht das Buch endlich auf und zusätzlich noch der Befehlshaber des Check-Points im Kampfanzug. Nach der Eintragung ins große Buch muss Max alles, einschließlich Telefonnummer, noch auf den kleinen Privatblock des Befehlshabers schreiben. Durch die zeitliche Verzögerung bleiben uns jetzt noch rein rechnerisch 30 Minuten um die folgenden 130 Kilometer zum nächsten Check-Point zurückzulegen, der ja angeblich um 3 Uhr schließt. Schnell noch 20 Liter Diesel nachgefüllt und „then, go, go!“ Die folgende Strecke kann man ohne zu übertreiben als Rally-Etappe bezeichnen. Die Straße wird kontinuierlich schlechter. Schlagloch reiht sich an Schlagloch. Zur Abwechslung bereitet uns die Wüste hier noch etliche Sandverwehungen auf der nun nur noch einspurigen Piste mit LKW-Gegenverkehr. Wir fliegen zum Teil mit über 100 km/h über die Schlaglöcher hinweg. Leider sind wir durch die Doppelbesetzung des Cruisers ziemlich hecklastig unterwegs und und die Federung hinten ist ohnehin schon am Limit. So nutzen wir den gegebenen Federweg des öfteren bis zum Anschlag aus. Mein Levie macht ganz schön große Augen und sortiert sich und sein Gewehr nahezu kontinuierlich. Der Beifahrersitz-Levie schaut abwechselnd Max und dann seinen Kollegen recht entgeistert an. Den nächsten Stützpunkt erreichen wir so im Rekordtempo. Wir sind froh dass der Checkpoint noch offen hat und unsere Begleiter sind froh dass sie nicht weiter mit uns mitfahren müssen. Wir tragen uns ins Buch ein und folgen anschließend einem Levie mit Mopped. Dieser hat es nicht besonders eilig und zuckelt mit 40-50 km/h auf der nun gut ausgebauten Strasse dahin. Er bleibt uns jedoch nicht lange erhalten und es findet bereits nach kurzer Zeit ein fliegender Eskortenwechsel statt. Nun folgen wir einem klapprigen Toyota-Pickup mit Höchstgeschwindigkeit durchs Nomadengebiet. Wir haben die Vermutung dass unsere zwei Begleiter von vorhin ihren Kollegen Bescheid gegeben haben dass nun der „German Helldriver“ kommt und sie sich nun selbst davon überzeugen müssen. 


Es folgt Checkpoint um Checkpoint und Eskorte um Eskorte. Mal ein einzelner Levie auf dem Mopped, mal bis zu vier Levies im Pickup. Dann immer zwei vorne im Führerhaus und zwei vermummte mit Kalaschnikow im Anschlag hinten auf der Ladefläche. Aber sie sind alle sehr freundlich und man hat den Eindruck sie haben Spaß daran uns zu beschützen. Besonders eilig haben sie es selten und beim Wechsel werden oft Fotos gemacht und so kommen wir nicht allzu zügig voran. Die Stunden vergehen und es sind immer noch über 200km bis Quetta. Am nächsten Checkpoint steht zum ersten mal keine Eskorte zu unseren weiteren Begleitung bereit und wir halten irritiert an. Die Levis die uns bis hierher eskortiert hatten sind an der Grenze ihres Zuständigkeitsbereiches angekommen und werden den Teufel tun uns darüber hinaus zu begleiten. Sie geben uns aber zu verstehen dass wir einfach weiterfahren sollen. Da wir sowieso langsam in Zeitdruck kommen um Quetta noch bei Tageslicht zu erreichen nutzen wir die Gelegenheit und fahren ohne Eskorte weiter. Komisches Gefühl. Aber noch vor der nächsten größeren Ortschaft werden wir schon von einem Levie-Pickup erwartet. Dieser begleitet uns durch die Ortschaft und bis zum nächsten Checkpoint. Inzwischen ist es 17:00 Uhr und in einer guten Stunde wird es dunkel. Bis Quetta sind es immer noch 130km. Die Levies dort sind der Meinung dass wir es niemals vor Einbruch der Dunkelheit bis nach Quetta schaffen werden und doch bitte bei ihnen am Checkpoint übernachten sollen. Wir sind nicht so begeistert von der Idee im Talibangebiet mitten im Nirgendwo neben einer Polizeihütte zu campen und dürfen nach einiger Diskussion schließlich weiterfahren. Am nächsten Checkpoint wundert man sich darüber dass wir noch so spät unterwegs sind und es wird erst mal darüber beratschlagt was man nun mit uns anfängt. In den 20 Minuten während wir warten geht die Sonne langsam unter. 


Die Jungs blödeln herum und haben es überhaupt nicht eilig. Doch plötzlich kommt Leben ins Spiel. Einer der Levies meint „Big Boss is coming“ und man sieht in einiger Entfernung einen großen, getunten Toyota Hilux mit hoher Geschwindigkeit auf uns zukommen. Hierbei handelt es sich bei Weitem um das neueste und beste Auto das wir seit Langem zu Gesicht bekommen. Hinten auf der Ladefläche sitzen vier vermummte Männer, natürlich mit Maschinengewehren im Anschlag. Auf den T-Shirts der Jungs steht in großen weißen Buchstaben „Anti Terrorist Force“, und sie sehen aus als würden sie nicht viel Spass verstehen. Eine ganz andere Liga als unsere Levie-Truppe die oft keinen besonders bedrohlichen Eindruck macht.
Aus dem Hilux steigt ein sehr vornehm gekleideter Mann. Alle Levies um uns herum salutieren. Der Herr kommt auf uns zu, reicht uns die Hand und stellt sich in perfektem Englisch vor: „I´m the Police Commissioner of Balochistan. What are you doing here at this time?“ Wir antworten leicht verlegen: „We are Tourists and want to go to Quetta.“
Er versteht überhaupt nicht wie man sich als Tourist hier rumtreiben kann und uns wird das erste Mal so richtig bewusst, dass das hier kein Kindergarten ist.
Natürlich haben wir uns vor der Reise ausführlich mit dieser Strecke befasst und wollten zunächst eigentlich gar nicht durch Pakistan fahren, sondern die Nordroute über Turkmenistan, Usbekistan, Kirgistan und China nehmen. Leider wäre das mit sehr viel Aufwand verbunden gewesen: Diverse Visa, Probleme mit der Geld- und Dieselversorgung und für China einige Sondergenehmigungen und ein Guide für den alles zu bezahlen gewesen wäre. Rein die Strecke durch China hätte dadurch ohne Sprit, Hotels etc. rund 7500€ gekostet - leider unmöglich. Nach ausgiebiger Recherche und dem Lesen einiger Reiseberichte haben wir uns dann doch für die Südroute durch Pakistan entschieden. Durch die vielen Reiseberichte waren wir eigentlich auch der Meinung, dass das nichts allzu Exotisches ist und dass jährlich hunderte Touristen durch diese Gegend fahren. Nun da wir hier sind können wir das nicht wirklich glauben. In den Büchern an den Checkpoints wird ja jeder Tourist eingetragen und die letzten waren das Chinesisch-/ Japanische Paar von der Grenze und davor die Gruppe Deutscher mit denen wir eigentlich zusammen vor gut einer Woche hier durchfahren wollten. Leider kam dann bei uns die unerwartete Verzögerung in Isfahan dazwischen.
Bis zu unserem Treffen mit dem Commissioner hatten wir auch kein unangenehmes Gefühl auf der Fahrt durchs weitläufige Taliban-Land. Der Commissioner macht uns jedenfalls klar dass der Weg durch das Gebirge vor uns extrem gefährlich ist, insbesondere bei Nacht. Er ist jedoch auch auf dem Weg nach Quetta und wir können uns ihm anschließen. Er steigt wieder ins Auto und wir folgen ihm mit gemischten Gefühlen. Die Jungs von der Anti Terrorist Force fahren so wie man es von einer Sondereinsatztruppe erwartet. So geht es mit Höchstgeschwindigkeit und Blaulicht durch die Nacht in die Berge.  Am nächsten Checkpoint ist ein ziemliches Chaos und wir müssen anhalten. Der Commissioner steigt aus und kommt zu uns ans Fenster. Er erklärt uns dass es einen Vorfall auf der bevorstehenden Strecke gab und es für uns zu gefährlich ist weiterzufahren. Wir sollen deshalb mit einer anderen Eskorte zurück zum letzten Checkpoint und dort übernachten. Er gibt uns noch seine private E-Mailadresse und Handynummer, steigt wieder ins Auto und fährt samt Anti Terrorist Force ohne uns weiter. Hinter uns steht auch schon unsere nächste Eskorte bereit, wir drehen um und folgen dem Pickup Richtung letztem Checkpoint. Auf halber Strecke stoppt der Pickup plötzlich und die Levie-Jungs steigen aus. Wir wissen nicht so recht was los ist und bleiben lieber mal sitzen. Ein Mann kommt an unser Fenster und meint der Commissioner habe durchgefunkt, dass die Strecke Richtung Quetta nun wieder frei wäre und wir doch durchfahren sollen. Also drehen wir wieder um und fahren zurück zum Checkpoint. Dort angekommen warten inzwischen zwei Pickups mit je 4 Mann Besatzung auf uns und es heißt „Go! Go! Go!“ Die Schranke geht auf und wir fahren nun doppel-eskortiert in den gefährlichsten Abschnitt unserer Reise. Der Weg führt durch enge Felsschluchten, ungefähr alle 500m blitzt eine starke LED-Lampe aus dem Nirgendwo auf. Die Jungs im Auto vor uns blitzen zurück. Es sind also überall Streckenposten stationiert die die Umgebung überwachen. Wir sitzen nebeneinander mit sehr gemischten Gefühlen im Auto. Vor allem fühlen wir uns ganz schön dämlich. Aus einer Laune heraus bringen wir uns und viele andere Menschen in Gefahr, deren Aufgabe und Ziel es ist uns heil durch diesen Abschnitt zu buxieren. Umso erleichterter sind wir als vor uns der nächste Checkpoint auftaucht und die Doppel-Eskorte sich wieder auf den Weg zurück macht. Von nun an geht es auch etwas entspannter weiter. Die Levies lachen wieder und begrüßen uns herzlich. Wir werden im 15min Takt von einer Eskorte zur nächsten durchgereicht. Alles perfekt organisiert. Möglicherweise hat der Commissioner hier seinen Teil dazu beigetragen.
Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir endlich die Stadtgrenze von Quetta. Inzwischen ist es halb Elf und in der Taliban-Hochburg Quetta ist nicht mehr viel los. Die Levie-Jungs übergeben uns an die städtische Polizei die von nun an in einem gepanzerten Fahrzeug vor uns herfährt. Wir folgen dem Minipanzer durch die leeren Straßen bis fast vor unser Hotel. Zusammen mit dem Minipanzer sind wir natürlich alles andere als unauffällig unterwegs - aber die Männer wissen hoffentlich was sie tun. So erschöpft wie wir inzwischen sind ist uns die Gefahr um uns herum auch schon ziemlich egal. Ändern können wir daran sowieso nichts mehr und wir möchten nur noch ins Bett. Wir sind jedenfalls gottfroh als wir um halb zwölf endlich das Bloom Star Hotel erreichen und dort todmüde ins Bett fallen können. 

Aus den errechneten 6 h 47 min wurden 16 h, mal sehen wie das hier so weiter geht.







19. Oktober 2013

Tag 65 - Pakistan, wir kommen!

08.10.2013


Bam - Taftan (Pakistan)


Der Wecker klingelt um sechs Uhr morgens. Wir sind ganz schön gespannt was uns die nächsten 430 Kilometer bis Pakistan und anschließend erwartet. Unsere Bedenken sind mittlerweile auf ein Minimum geschrumpft, da die Informationen im Osten Irans über unser nächstes Reiseland gar nicht so schlecht ausgefallen sind wie wir erwartet haben. Bis Yazd hat uns noch jeder vor den Pakistani gewarnt. Uns kommt es fast so vor als gäbe es eine weltweit verbreitete Angst vor Nachbarländern. Die Einwohner unserer Reiseziele haben uns grundsätzlich vor den Einwohnern der nächsten Reiseziele gewarnt. Kaum angekommen stellte sich heraus, dass die Warnenden überhaupt keine Ahnung haben was bei den Nachbarn so vor sich geht. 
Aber jetzt zurück zu unserem dritten echten Grenztag. Um halb acht geht die Fahrt los zur nächsten Tankstelle. Hier bekommen wir zum ersten Mal ohne Dieselkarte keinen Treibstoff. Also muß ein Ersatzkanister vom Dach herhalten. Das fängt ja gut an: ohne Sprit gen Pakistan. Im nächsten Ort herrscht keine Dieselknappheit und wir befüllen den Cruiser bis ans Limit. 140 Liter müssten reichen. Dann fahren wir durch die Einsamkeit, verlassen das Gebiet ohne Reisewarnung des Auswärtigen Amtes und sehen unser erstes lebendes Kamel! 





In Zahedan, etwa 15 km vor der Grenze, am Ortseingang haben wir Militärcheckpoint-Premiere, werden aber nicht begleitet. Noch mal wird das Auto an einer inoffiziellen Tankstelle komplett mit Diesel befüllt. 

Tankstelle?!


Am Ortsausgang wird uns dann ein Soldat ins Auto gesetzt. Wir befinden uns jetzt in unmittelbarer Nähe der iranisch-afghanisch-pakistanischen Grenze in der länderübergreifenden Provinz Belutschistan. 
Dann taucht in der Wüste eine Schranke auf, flankiert von zwei kleinen Häusern. Einige iranische Militärs und ein komplett vermummter Typ mit Sonnenbrille nehmen uns in Empfang. Hinter der Schranke herrscht PKW und LKW-Chaos und wir tragen dazu bei. Max und unser Soldat verschwinden im größeren der beiden Häuser. Während ich warte bietet mir ein kleiner Junge Saft aus der Dose durchs Autofenster an. Der Vermummte und zwei ungetarnte Männer verscheuchen ihn. Dann diskutieren sie irgendwas, kaufen dem Jungen Saft ab und schenken ihn mir. Warum nicht. Einige Minuten später steht der nächste Mann am Fenster und fragt:"Where are you from?" Ich antworte:"Alman." Er kommt aus Pakistan und hätte sich gerne länger unterhalten, aber seine Begleiter machen Druck. Meine paar Worte Farsi kann ich jetzt auch wieder einpacken. Max kehrt zurück, noch immer mit Soldat. Was im Haus passiert ist weiß er nicht genau, vielleicht Passkontrolle, vielleicht Auto-Checkout, wer weiß. Wir fahren ein bisschen offroad an den wartenden LWK und PKW vorbei um einige hundert Meter weiter an der echten Grenze anzukommen. Diese besteht aus einem soliden Gebäudekomplex auf iranischer Seite in welchem wir ca. zwanzig Minuten rumsitzen und warten bis unsere Pässe gestempelt sind. Aber wir bekommen Kaubonbons geschenkt um die Wartezeit zu versüßen. Das Carnet bekommt auch einen Stempel und wir stehen kurze Zeit später mit unserem Soldaten und dem Auto vor dem iranischen Ausgangstor. Erst mal muß jemand gefunden werden der es öffnet. Der Soldat springt über den Zaun neben dem Tor und wir hegen den Verdacht, dass uns die Iraner hier einen Auszubildenden mitgegeben haben, denn der Mann hat gar keine Ahnung wie das hier so läuft und irrt schüchtern im Niemandsland umher. Ein Grenzbeamter erbarmt sich, erlöst den Soldaten vom Suchen und öffnet uns die Pforte. Derselbe Herr sieht auch sofort, genau wie wir zuvor, dass das Carnet leider nur einen und nicht zwei Stempel bekommen hat und schickt unseren schüchternen Begleiter wieder zurück ins Gebäude um den fehlenden Stempel zu organisieren ohne den wir die 5000 Euro Pfand vom ADAC nicht wieder bekommen wenn wir zurück in Deutschland sind. Eine weitere dreiviertel Stunde vergeht. Zwanzig Meter vor uns liegt Pakistan. 

Grenztor Iran

Grenztor Pakistan

Dann sind alle Stempel da und wir sind entlassen. Ob das Tor auf pakistanischer Seite jemals geschlossen wird wage ich zu bezweifeln, wir fahren hindurch und sind in einer anderen Welt! Die Nationalflagge steckt auf einem "Welcome to Pakistan"-Schild und weht einsam im Wüstenwind. Strassen gibt es keine mehr, nur noch Sandpiste. Ab und an ist die Fahrbahn markiert durch ein paar Steine. Vereinzelt stehen Lehmhütten herum und überall tummeln sich traditionell gekleidete Männer mit Kalaschnikow und mehr oder weniger Gepäck. 
Von 5-7 Männern werden wir veranlasst rechts abzubiegen und vor einer Hütte zu stoppen. Dann werden wir begrüßt und  in die Hütte begleitet. Im kargen, zwei Quadratmeter großen Vorraum der Rezeption packt ein Mitarbeiter der paramilitärischen Levie-Einheit ein Schulheft aus in das wir uns mit Namen, Passnummer, Visanummer, Namen des Vaters, Nationalität u.v.m. eintragen müssen. Im nächsten Raum an der Check-In-Rezeption übernimmt diese Eintragung ein Grenzbeamter für uns und wir werden mit einer kleinen Kamera fotografiert. Ab diesem Zeitpunkt folgt uns einer der Levies auf Schritt und Tritt und bewacht uns mit seinem Maschinengewehr, das lässig über seiner Schulter baumelt. Hundert Meter weiter wartet der nächste Beamte in seiner dunklen Lehmhütte. Erneut erfolgt die Schulheftprozedur, diesmal mit Carnet-Nummer, den Import-Stempel für das Auto gibt es aber anderswo. Jetzt fahren wir weiter durch die ortsähnliche Lehmhüttenansammlung die die Pakistani Taftan nennen und kommen an einem großen Sandplatz vorbei auf dem sich hunderte Autowracks stapeln. Kurze Zeit später wird unsere Sightseeing-Tour an einem kleinen Holzpavillion unterbrochen. Mindestens fünf Männer sitzen hier herum und halten ein weiteres Buch zur Eintragung bereit. Jetzt bekommen wir unser Nachtquartier zu sehen: die Taftanpolizeistation. Diese ist umgeben von einer hohen Mauer mit großem Tor und einer kleineren Mauer mit kleinerem Tor. Im Zwischenhof kann bei Langeweile das Volleyballfeld genutzt werden. Ein nächstes Buch wartet hier schon auf uns. Die Levies liegen in einer begrünten Ecke unter einem Busch im Hof herum, unterhalten sich und rauchen. Das sieht eigentlich alles ganz gemütlich aus. Abschließend steht noch der Besuch im Home Office an. Zu dritt (Max, Levie und ich) machen wir uns auf den Weg. Die Navigation gestaltet sich etwas schwierig, denn wir kennen uns in Taftan ja nicht so gut aus und der Levie ist nicht in der Lage rechts und links vernünftig anzusagen. Ständig wedelt er mit der Hand im Kreis herum und sagt dazu "Go, yes, yes!" Wenn Max falsch abbiegt wird er ganz aufgeregt und meint:"No, no, go." und wedelt weiter. Aber wir finden das Office. Dieses ist in einem echten Haus mit kleiner Treppe untergebracht. Hier stehen große Schreibtische in einer Reihe, hinter jedem sitzt ein Beamter vor einem großen Aktenstapel. An der Wand in den zahlreichen Regalen türmen sich ebenfalls die vergilbten Akten. In einer anderen Ecke stehen schwülstige, nicht minder vergilbte Sofas herum auf denen wir Platz nehmen dürfen. Dann wird landestypischer Milchtee und Wasser serviert. Außer uns sitzt da noch ein chinesischer Tourist und während Max mit dem Beamten das Carnet bearbeitet unterhalte ich mich mit ihm. Er ist mit seiner japanischen Frau unterwegs von Quetta in den Iran und seit neun Monaten auf der Reise. Irgendwann sind alle Formalitäten erledigt, der Tee ist auch leer und wir kehren zurück zum Polizeiquartier. Der Cruiser ist für das kleine Tor zu groß. So übernachten wir neben dem Volleyballfeld im Zwischenhof. Hier gibt es Wasser und ein Klo, alles Nötige ist also vorhanden. 




Die ganze Grenzabfertigung ging völlig stressfrei über die Bühne und unser Auto hat mal wieder niemand kontrolliert. Im Hof packen wir Tisch und Stühle aus und setzen uns erstmal hin. Es folgen diverse Unterhaltungen mit den Levies für die wir Touristen eine willkommene Abwechslung sind. Warum wir nur so zum Spaß in diese Gegend kommen kann aber keiner richtig verstehen. Unser chinesischer Bekannter und seine Frau sind auch über Nacht hier untergekommen und wir kochen zusammen Spaghetti mit iranischer Bolognesesoße. Während des Essens geht das große Tor auf und mindestens 50 Personen marschieren im Gänsemarsch an uns vorbei ins Innere der Wache. Hm? Wir erfahren, dass es sich hier um illegale pakistanische Flüchtlinge handelt, die im Iran aufgegriffen und ausgewiesen wurden. Jeden Tag kommen so Busladungen zurück ins Land. Wir sind etwas irritiert und essen weiter. Einige Stunden später sitzen wir unter Pakistans Sternenhimmel und hören plötzlich nicht enden wollendes Geschrei und Gewimmer aus dem Inneren der Polizeistation. Auf unsere Frage was da los ist antwortet der Levie bei uns am Tisch nur:"Maybe my boss is punishing him, haha." Ganz schön irritiert gehen wir ins Bett und bemerken, dass wir in einer ziemlich anderen Welt gelandet sind.

18. Oktober 2013

Tag 62 - 64 Ostiran

05.10. - 07.10.2013


Kerman - Bam


Sightseeing in Kerman ohne Karte ist schwierig. Den Basar finden wir dann doch irgendwann und investieren einige unserer letzten Rials in eine solide Teekanne. Die berühmte Moschee wird gerade renoviert und den Feuertempel finden wir gar nicht. Aber wir wollen auch weiter und kehren zurück zum Hotel. Nachdem die Fahrzeughalter ausfindig gemacht wurden, die die Hofeinfahrt zugeparkt haben machen wir uns wieder auf den Weg. 


An der nächsten Kreuzung passiert, was bereits lange Zeit überfällig war. Ein Very Good Driver verbremst sich mit seinem Kleinwagen und fährt uns hinten drauf. Wir haben es erst gar nicht bemerkt. Erst als ein Taxifahrer neben uns rumfuchtelt sage ich zu Max: "Ist der uns jetzt draufgefahren, oder was?" Max: "Ich glaub schon." Wir steigen aus und schauen nach. Bei uns am Auto ist gar nichts zu sehen und das andere Fahrzeug sieht so aus als hätte es heute nicht den ersten Kontakt mit einem anderen Verkehrsteilnehmer gehabt. Die Sache hat sich hiermit erledigt und wir fahren weiter. 
Auf halber Strecke nach Bam liegt Rayen. Hier suchen wir die ca. 1000 Jahre alte Zitadelle auf. Leider können wir uns den Eintritt nicht mehr leisten, und besichtigen das Ganze eben von außen. Schon blöd so ohne die Möglichkeit mal schnell einen Geldautomaten nutzen zu können. Außerdem wird die Zeit knapp und wir wollen vor Einbruch der Dunkelheit in Bam sein. 


Das klappt nicht ganz, aber fast. Bam hat ungefähr 120000 Einwohner und fast jeder kennt Akbar und sein Guest House. Nach Kurzem stehen wir also vor Akbars Tür. Er sitzt gemütlich auf einem Stuhl vor seinem Hostel und wartet auf Reisende wie uns. Seine erste Frage nach der Begrüßung ist: "Are you coming from or going to Pakistan?" Nachdem wir unsere Pläne geschildert haben sitzen wir zusammen und trinken Tee. Akbar war vor seiner Rente Lehrer für Englisch und persische Literatur. Begonnen hat er mit der Touristenunterbringung im Haus seiner Eltern und folgend hat sich sein Guest House etabliert. Wie nahezu ganz Bam wurde es bei einem schweren Erdbeben 2003 völlig zerstört. Er und seine Familie haben alles wieder aufgebaut, auch große Teile der Stadt sind mittlerweile sehr solide in Stand gesetzt. Kein Vergleich zur bereits erwähnten sonst üblichen schrottigen Bauweise. Als wir langsam hungrig werden fragen wir unseren Gastgeber nach einem Restaurant. Er meint uns später in eine schöne Gaststätte mit Garten und Musik zu bringen. Das hört sich gut an. Eine halbe Stunde später ändert er seine Meinung und lädt uns zum Essen mit seiner Familie im Haus seiner Tochter ein. Das hört sich noch besser an. Der Abend ist wunderbar und völlig entspannt und wir danken Akbar an dieser Stelle nochmals für diese gute Erfahrung.



Den nächsten Tag verbringen wir mit bloggen, denn dank einer Internetbekannschaft, den Lao-Express-Jungs aus Ravensburg, haben wir jetzt den Zwiebelbowser und umgehen die iranische Blümcheninternetzensur. Über den Tag verteilt kommen und gehen Akbars Freunde und wir erhalten Insiderinformationen über "dies und jenes".


Dann ist erneut Sightseeing angesagt. Das alte Bam gilt es zu besichtigen. Wir sind faul und wollen mit dem Auto hinfahren, aber Akbar ist auch faul und will das Tor nicht aufschließen. So werden wir von Hossein, seinem Freund, chauffiert. Das kulturelle Vorhaben scheitert aufgrund eines Missverständnisses beinahe schon am Kassenhäuschen davor. Wir verstehen 150000 Rials für zwei Personen, der Preis liegt natürlich bei 150000 Rials pro Person. Da unser Vorrat an Bargeld bekanntermaßen zur Neige geht können wir uns 300000 Rials Eintrittsgeld leider nicht mehr leisten. Dummerweise haben wir aber nur einen 500000 Rials-Schein. Der Ticketverkäufer hat unsere beiden Eintrittskarten bereits in der Mitte eingerissen und will sie, weil sie ja schon entwertet sind, auch nicht mehr zurück nehmen. Wir wollen aber unser Geld wieder. So geht die Diskussion ein wenig hin und her und am Ende, nach viel demütigem "Bitte Bitte" und "Entschuldigung" meinerseits auf Farsi dürfen wir zu zweit für 150000 Rials aufs Gelände. Geht doch! Während des Sonnenunterganges machen wir unseren Rundgang durch die alte Lehmstadt. Die Erdbebenschäden sind noch überall sichtbar, auch wenn hier bereits offensichtlich viel investiert und restauriert wurde. 




Zu Fuß machen wir uns auf den Weg zurück und folgen Hosseins Einladung in sein Jagd- und Angelbedarfgeschäft. Er verkauft hier wirklich alles was man auch nur annähernd zum Jagen oder Angeln verwenden kann. In einer Vitrine stellt er Tretminen und dazugehörige Bilder von Minenunfällen befreundeter Bekannter aus. nach kurzem Aufenthalt im Geschäft sitzen wir wieder in seinem Auto, gehen zum Konditor und anschließend in ein Waisenhaus für Mädchen. Hossein meint, die Mädels freuen sich wenn Ausländer kommen und sie ein bisschen Englisch üben können. Warum nicht, sagen wir und verbringen zwei nette Stunden dort.


Wir haben Bam dank Akbar, seiner Familie und seinen Freunden von seiner besten Seite kennenlernen dürfen!

Tag 60 + 61 Wüstenerfahrung

03.10. - 04.10.2013


Yazd - Kerman


Auf der Fahrt nach Kerman wird es kontinuierlich heißer! Landschaftlich ändert sich noch nicht besonders viel. Hauptsächlich Steine, Sand und kleine Gebüsche. Das erste Kamel das wir sehen liegt leider totgefahren und angefressen am Straßenrand. Wir erreichen Kerman und sind überrascht. Hier ist es nicht nur braun und lehmig, sondern bunt und relativ modern. Die Einwohner machen einen sehr entspannten Eindruck, ganz anders als uns das im westlichen Teil des Landes und von anderen Reisenden berichtet wurde. Nach einigem Suchen beziehen wir ein Zimmer im Akhavan Hotel. Ein, im Umgang mit Fernreisenden, gut geübter Familienbetrieb mit äußerst schmackhaftem iranischen Essen und feiner Atmosphäre.



Gut ausgeruht und mit genug Treibstoff für den Cruiser machen wir uns am Mittag unseres 61. Reisetages auf den Weg in die Wüste namens Dasht - e - Lut. Hier befindet sich der heißeste Punkt der Erdoberfläche mit 71°C und es herrscht meist ausgesprochene Trockenheit. Außerdem haben Wind und Wetter zur Entstehung parallel angeordneter hügel- bzw. bergartiger Sandhaufen geführt: die Yardangformationen oder Kaluts. Ein Gebirgszug trennt Kerman von der unwirtlichen Wüste. Die kühle Bergluft weicht aus unserem Auto während wir uns bergab in die Ebene begeben. Die Hitzeentwicklung kann man am besten mit einem riesigen Ganzkörperfön vor einem heißen offenen Backofen vergleichen. Der Reisezeitpunkt mittags war vielleicht nicht ganz so schlau gewählt. 



Wir fahren erstmal nach Shadad um unseren Wasservorrat aufzustocken (von 0,5 auf 5 Liter). Der Ort ist wie leergefegt. Zum Glück finden wir doch noch einen Minimarkt, sonst hätte die Reise ziemlich schnell ein Ende gefunden. Von hier führt eine asphaltierte Strasse quer durch die Wüste um den Drogenhandel aus Afghanistan besser kontrollieren zu können, haha! Einige Kilometer folgen wir dieser Strasse, dann biegen wir nach Osten ab in Richtung Desert Camp. Dieses finden wir, nach den iranischen Sommerferien, verlassen und und zerstört vor. Einen Besuch war es aber in jedem Fall wert.


Auf dem Rückweg erstreckt sich rechts der Strasse ein weite, ausgetrocknet erscheinende Ebene von der Max magisch angezogen wird. Schneller als ich schauen kann sind wir von der Strasse runter, fahren in die Ebene und stecken ungefähr 30 Meter weiter in zähem Wüstenschlamm fest, der unter der sieben Zentimeter dicken vertrockneten Kruste zum Vorschein kommt. Hm...! Aus eigener Kraft ist trotz Allrad und Untersetzung kein Entkommen möglich. Weit und breit keine Menschenseele und das nächste Dorf ist gut 15km entfernt. Dezente Panik macht sich bei Max bemerkbar. Ich finde es dieses Mal gar nicht so schlimm und habe aus dem letzten Ereignis gelernt, steige aus und fotografiere die Misere. Dann kommt der Klappspaten zum Einsatz. Zehn Minuten graben bei 50-60°C haben es in sich. Unsere Spuren legen wir mit ausgetrockneten Bodenplatten aus. Das funktioniert zum Glück und so ist das Auto nach einer guten viertel Stunde wieder befreit und auf festem Untergrund zurück. Äusserst dämliche Aktion - aber wer rechnet in der heißesten Wüste der Welt schon mit Schlamm!?





Die restliche Wüstenbesichtigung inclusive mehrerer Karawansereien in unterschiedlichsten Erhaltungszuständen legen wir auf Asphalt zurück. Ist wohl besser so. Eigentlich wollten wir uns den Sonnenuntergang hier anschauen, aber es ist einfach viel zu heiß! Wir kehren zurück nach Kerman und dürfen zwecks Geldmangels heute Nacht im Hinterhof des Hotels im Auto übernachten.







17. Oktober 2013

Tag 58 + 59 Es wird wüstiger

01.10. - 02.10.2013


Esfahan - Ardakan - Yazd


Erst gibt es wirklich zum letzten mal das Amir Kabir Frühstück und anschließend überraschen wir die Toyota-Belegschaft mit unserem Besuch. Auch hier werden wir herzlich empfangen und trinken erstmal Tee. Die Bremsen werden entlüftet und der Unterfahrschutz ist auch noch da und wird montiert. Jetzt steht unserer Weiterfahrt gen Osten nichts mehr im Weg. Richtung Ardakan bewegen wir uns entlang der Wüstenausläufer der Dasht-e-Kavir. Das volle Wüstenfeeling ereilt uns aber erst als wir ein Kamelwarnschild am Straßenrand sehen. Einige Kilometer weiter tauchen die ersten Palmen und Oasen in der Stein-Sand-Landschaft auf. Echte Kamele lassen allerdings noch auf sich warten.



Im Etappenziel Ardakan finden wir am Ortseingang den sehr verlassenen Campingpark. Die Rundfahrt durch die Stadt bietet keine bessere Übernachtungsmöglichkeit und wir kehren zum Park zurück. Kaum geparkt steht da schon ein Einheimischer auf dem Moped neben uns. Seine Freude ist groß als Max ihn grüßt. Der Mann ist verdutzt darüber dass wir hier im Auto übernachten wollen und verdeutlicht uns ihm zu folgen. Nach kurzer Verfolgung des Mopedmannes werden wir an einen weiteren Herrn mit Auto übergeben. Der führt uns zu einem Hotel. Da wir kein Hotel wollen übernachten wir eben auf dem Parkplatz nebenan. 
Zum Glück haben wir unser Visum verlängert und Zeit für die Sehenswürdigkeiten der Gegend. Sonst hätten wir an Tag 59 Chak Chak verpasst! Und das wäre eine Schande gewesen! Der "Ort" liegt etwa 50 km von Ardakan entfernt in der Pampa. Eine kleine Serpentinenstrasse führt zur zarazusthrischen Pilgerstätte hinauf. Die Aussicht hier ist überwältigend. Im Reiseführer steht "an diesem Ort herrscht ein großes Maß an Harmonie" - und so ist es auch. Der Großteil der Anlage besteht aus offenen, in den Hang gebauten, Gebäuden mit recht hässlichen grünen Geländern. In der linken Ecke des Komplexes befindet sich die Feuertempelanlage unter einem uralten wunderschönen Baum nahe der Quelle die dem Ort den Namen verleiht. Beim Betreten der heiligen Stätte spürt man sie tatsächlich, die Harmonie. Ich will eigentlich gar nicht mehr gehen, aber die nun scharenweise mit dem Taxi einfallenden Touristen entharmonisieren das Erlebnis ein wenig und wir steigen wieder zum Cruiser herunter. Aber natürlich nicht ohne vorher wieder Model für ein Teheraner Paar gestanden zu haben.









Auf dem Parkplatz erkundigen wir uns bei den zahlreichen Taxifahrern über eine nicht asphaltierte Alternativroute nach Yazd. Uns wird einstimmig abgeraten: "Bad road! Better go Ardakan and Yazd." Fünf Minuten später an der Zufahrtstrasse zu Chak Chak haben wir unsere nächste Begegnung. Ein Herr mit Autopanne (völlig zerfetzter Kühlerschlauch) und zwei chinesischen Touristinnen im Schlepptau hält uns an. Er wittert die Chance seine Touristen in unser Auto zu setzten, die Damen wollen aber nicht auf die Matratze. Der Herr ist Touristenführer aus Yazd. Wir fragen erneut wegen der Alternativroute und er meint mit unserem Auto sei es kein Problem. Außerdem zeigt er uns auf der Karte einen guten Schlafplatz mitten in der Altstadt. Der Stopp hat sich gelohnt. Das folgende Offroad-Erlebnis geht ohne Zwischenfälle über die Bühne und macht riesigen Spaß! Mit 100 Sachen quer durch die Wüste! Viel zu schnell müssen wir wieder auf den Highway zurück. Ein kleiner Umweg nach Meybod ist auch noch drin. Hier wurden Teile der alten Stadt restauriert und die Besichtigung wurde uns zuvor wärmstens ans Herz gelegt. 







Yazd erreichen wir heute auch noch. Die Park- und Übernachtungsmöglichkeit liegt mitten im Zentrum vor einem Museumshotel. Nicht ganz das was wir uns vorgestellt haben, aber völlig ausreichend. Einheimische sieht man hier nur wenige, dafür umso mehr internationales Publikum. Wir schlendern im Sonnenuntergang durch die Lehmhausgassen und finden uns Nachts Tee trinkend und Shisha rauchend in besagtem Hotel wieder. Ein umtriebiger Angestellter lässt sich nicht davon abhalten uns die Königssuite zu zeigen. Auf royalen Sitzmöbeln werden wir fotografiert und ich bekomme eine echt amüsante Einweisung in den Folkloretanz Westirans.